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Sprache und Literatur als Bildungskomponenten

Diskurs, Historie und Empirie

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Ina Karg and Ksenia Kuzminykh

Der kommunikative und publikumswirksame Erfolg großer internationaler Vergleichsstudien zur Bildung hat dazu geführt, dass zunehmend Bildungsdebatten weltweit darauf Bezug nehmen. Hiermit befasst sich die Publikation. Sie versteht Bildung als Kulturmuster und arbeitet mit einem diskurstheoretischen Ansatz. Dadurch gelingt es, die Voraussetzungen, aber auch die Widersprüche im Gegenstandsfeld aufzuspüren und zu beschreiben. Die Arbeit geht der Bedeutung von Sprache und Literatur nach, die in Vergangenheit und Gegenwart in Bildungsaussagen eine vorrangige, aber in verschiedenen Ländern gerade nicht dieselbe Bedeutung haben, und entwirft Alternativen zu vermeintlich selbstverständlichen, bislang angebotenen Programmen und Aufgaben.
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Kapitel V Russland – Bildungstraditionen und neue Bildungskonzepte

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Im gegenwärtigen Russland herrschen sowohl eine weitverbreitete hohe Wertschätzung der Bildung als auch eine positive Grundeinstellung dem Lernen und der Schule gegenüber. Dies war jedoch nicht immer so.

Die Geschichte der russischen Schule ist die Geschichte eines Kampfes für die Autonomie der Bildung. Zunächst war er gegen das volksfeindliche zaristische Regime gerichtet, dann gegen den Anspruch der Kirche, der bis in die 1920er-Jahre des 20. Jahrhunderts bestand und schließlich von der sowjetischen Regierung sukzessive unterdrückt wurde. Dann kämpfte man für die Akzeptanz der schulischen Bildung überhaupt, anschließend für die Unabhängigkeit von der Politik und gegen die grenzlose Bevormundung und schließlich für das pure Überleben und für die Freiheit von ausländischem Einfluss und den Erhalt der eigenen Tradition.

Die Bildungstradition reicht in ihren Wurzeln bis in das 10. Jahrhundert hinein und ist mit den Namen des Fürsten Vladimir und seinen Nachfolgern – Jaroslav und Vsevolod – verbunden (Lavrovskij 1854). Die ersten Schulen standen unter dem Einfluss der Kirche und strebten lediglich die Vermittlung von elementaren Fähigkeiten im Lesen und Schreiben an. Die flächendeckende Gründung von Bildungseinrichtungen und die Etablierung eines gesamtstaatlichen Bildungssystems blieben aus (Kapterev 1914 und 1915). Diese Situation überdauerte fast acht Jahrhunderte. Erste Ansätze eines modernen weltlichen Bildungswesens sind erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen und deuten auf die Interdependenz von Bildung, wirtschaftlicher Erschließung und militärischer Sicherung des Zarenreichs hin. Unter Peter...

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