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Musik in der religiösen Erfahrung

Historisch-theologische Zugänge

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Edited By Rainer Kampling and Andreas Hölscher

Die Musik und das religiöse Leben gehören in der westeuropäischen Kultur untrennbar zusammen. In der Musik ereignet sich Bekenntnis und Erfahrung des Religiösen gleichzeitig. Dieser Sammelband zeigt die historische, kulturgeschichtliche und die theologische Dimension dieser Verbindung. Die Beiträge ermöglichen auch ein besseres Verstehen des Phänomens, weshalb die Musik, die für die Liturgie komponiert wurde, auch außerhalb ihres ursprünglichen Rahmens, eine besondere Anziehung darstellt.
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Augustinus über Musik in Raum und Zeit: Therese Fuhrer

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Therese Fuhrer

Augustinus über Musik in Raum und Zeit

In der langen Reihe antiker Musiktheoretiker gehört Augustin zu den wichtigsten Vertretern, nicht zuletzt als Verfasser der Schrift De musica in sechs Büchern. De musica ist ein systematisches Lehrbuch in Dialogform, das jedoch nur Rhythmustheorie und Metrik behandelt; es fehlt der Teil über die Harmonielehre und damit den Kernbereich der Wissenschaftsdisziplin „Musik“.1 In De musica sowie in weiteren – nicht im engeren Sinn musiktheoretischen – Schriften verknüpft Augustin jedoch seine theoretischen Reflexionen zum Gegenstand der ars musica immer wieder mit Überlegungen zum Wesen der Zeit sowie zu Praxis und Wirkung des Gesangs, im Besonderen des Kirchengesangs in der Liturgie und sogar auch in der zeitgenössischen Religions- und Kirchenpolitik. Damit verbindet Augustin die Bereiche Musik und Religion in einer für das Rahmenthema des vorliegenden Bandes geradezu exemplarischen Weise.

I. Musik und Zahl

In einer seiner frühesten erhaltenen Schriften, dem philosophischen Dialog De ordine aus dem Jahr 386 n. Chr., legt Augustin das Konzept einer systematischen Ausbildung in den sieben freien Künsten dar, das er als Lern- und Lehrordnung (ordo eruditionis) bezeichnet und damit als Teil ← 47 | 48 → der göttlichen Weltordnung verstanden wissen will.2 Eine solche Ausbildung ist gemäß dieser Darlegung ein Propädeutikum im Hinblick auf die Beschäftigung mit der Philosophie und entspricht dem intellektuell erschließbaren Weg der Ratio zur höchsten Erkenntnis, den allerdings nur wenige Gebildete gehen können.3 Augustin hatte offenbar w...

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