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Musik in der religiösen Erfahrung

Historisch-theologische Zugänge

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Edited By Rainer Kampling and Andreas Hölscher

Die Musik und das religiöse Leben gehören in der westeuropäischen Kultur untrennbar zusammen. In der Musik ereignet sich Bekenntnis und Erfahrung des Religiösen gleichzeitig. Dieser Sammelband zeigt die historische, kulturgeschichtliche und die theologische Dimension dieser Verbindung. Die Beiträge ermöglichen auch ein besseres Verstehen des Phänomens, weshalb die Musik, die für die Liturgie komponiert wurde, auch außerhalb ihres ursprünglichen Rahmens, eine besondere Anziehung darstellt.
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Wer hat die schönen Dinge Gottes verboten, die Er für seine Diener hervorgebracht hat?: Ein Beitrag zur Musik im Islam: Nizar Romdhane

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Nisar Romdhane

Wer hat die schönen Dinge Gottes verboten, die Er für seine Diener hervorgebracht hat?1Ein Beitrag zur Musik im Islam

Ist Musik im Islam verboten? Oder zählt Musik zu den schönen Dingen, die der Mensch gemäß des oben zitierten Koranverses nicht eigenmächtig verbieten soll? Diese Frage wurde in der islamischen Geistesgeschichte kontrovers diskutiert und sehr unterschiedlich beantwortet. Die Auseinandersetzung hierüber hält bis heute an.

Ein Musikverbot im Islam steht jedenfalls in einem diametralen Gegensatz zur lebendigen Musikkultur und Musikgeschichte der muslimischen Gesellschaften. Der Mittlere und Nahe Osten ist alles andere als klangfrei.

Dass Musik für die Bildung von kultureller, nationaler und auch religiöser Identität in der Geschichte und Gegenwart der islamischen Welt immer eine große Rolle gespielt hat, ist vielfach belegt. So entwickelte sich beispielsweise das Maʾlūf2 zur Nationalmusik Tunesiens. Dieser Musikstil entstammt einer Musiktradition, die ihren Ursprung in Andalusien hat, sich nach der Reconquista in Nordafrika ausbreitete, mit den Musikstilen der Berber vermischte und erneuerte. Im Kontext kolonialer Erfahrungen und postkolonialer Staatenbildung entwickelte sich dieser Musikstil zu einem bedeutenden soziokulturellen Faktor. Die Unabhängigkeitsbewegung um den späteren ersten tunesischen Staatspräsidenten Habib Bourguiba machte sich das identitätsstiftende Potential des Maʾlūf zu nutze. Das Maʾlūf etablierte sich als ein Symbol der nationalen Einheit des tunesischen Volkes. Hierfür wurden die bis dahin regional unterschiedlichen Maʾlūf-Stile homogenisiert und formalisiert. Mit...

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