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Der Symbolbegriff im Denken Ernst Cassirers

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Catia Rotolo

In der philosophischen Debatte über den Status und die Funktion von Erkenntnis und Wissen spielt Ernst Cassirers Kulturphilosophie der symbolischen Formen eine wichtige Rolle. Sprache, Mythos, Wissenschaft und Kunst zählen zu den symbolischen Formen, die Cassirer untersucht, um die geistige Gestaltung des Wirklichen zu verstehen. Nahe an den Wissenschaften zeigt er, wie das Symbolische entsteht, indem dem Sinneseindruck ein Index, eine Ordnung und ein Ort zugewiesen und ein Name verliehen wird. Das Symbolische drückt eine bestimmte Orientierung, eine Grundtendenz und besondere Form des Denkens aus, auch im Feld der Begriffe der Wissenschaften. Cassirers Theorie des Symbols hat die erkenntnistheoretische Konzeption der bloßen nachahmenden Abbildung des Wirklichen überwunden. Das Erkennen hat die Funktion, der gegenständlichen Welt in ihrer komplexen Mehrdimensionalität in freier Tätigkeit des Geistes Gestalt und menschliche Bedeutung zu verleihen. Aus seiner Kritik an der aristotelischen Substanz-Ontologie und am dogmatischen Realismus entwickelt Cassirer seine funktionstheoretische Perspektive des Symbolischen, auf deren anti-deterministischer und zugleich nicht-relativistischer Basis von der epistemischen Freiheit des Menschen als animal symbolicum gesprochen werden kann.
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1 Einleitung

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Würde die Tätigkeit des Darstellens nicht ein Minimum an Freiheit einschließen, so gäbe es keine originellen, vielfältigen Darstellungen der verschiedenen Bereiche einer Kultur, die mithilfe begrifflicher Schemata Bedeutung und Sinn zu erzeugen vermögen. Keineswegs steckt in dieser Überlegung ein ontologischer Hintersinn. Zu betonen ist vielmehr, dass eine Symbolisierung ohne deterministisch verstandene Gesetze die Grundlage und Gewähr der Idee der Darstellung bildet: »Was sich in den verschiedenen Weisen der Erkenntnis und in den Wissensformen vergegenständlicht, ist weder das Ergebnis einer natürlichen Determination noch bezeichnet es eine ›von der Natur‹ gegebene Tatsache: Es ist vielmehr das animal symbolicum, das sich mittels Symbolen ausdrückt und in Kulturen seine eigene Freiheit verwirklicht«.1 Sprache, Mythos, Wissenschaft und Kunst zählen zu den symbolischen Formen, die Cassirer untersucht, um die Modalitäten der geistigen Gestaltung des Wirklichen zu verstehen. Das Symbolische entsteht, indem dem sinnlichen Eindruck ein Index, eine Ordnung und ein Ort zugewiesen und ein Name verliehen wird. In dieser Phase klärt sich die Stellung des sinnlichen Eindrucks im Verhältnis zum Ganzen und sein Wertgehalt wird benannt. Die symbolische Philosophie will verstehen, wie die verschiedenen Erkenntnisphasen, von der mythischen über die sprachliche bis zur wissenschaftlichen, durch eine geduldige, kritische Arbeit zur kulturellen Objektivierung der Kunst, Religion und Wissenschaft gelangen. Aus dieser Untersuchung ergibt sich, dass das symbolische Element sich durchaus nicht auf den Bereich der Begriffe der exakten Wissenschaften beschränkt, sondern auf alle Wissens- und Denkbereiche ausgedehnt werden kann....

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