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Wer ist mein Nächster?

Das Soziale in der Ego-Gesellschaft- 15. Ökumenische Sommerakademie, Kremsmünster 2013

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Edited By Severin Lederhilger

Der aktuelle politische und philosophische Diskurs bewegt sich zunehmend zwischen den Polen eines individualistischen Egoismus und den verschiedenen Aspekten gesellschaftlicher Solidarität. Inwieweit egozentrische Tendenzen das Zusammenleben maßgeblich bestimmen oder ob nicht Formen der Solidarität das eigentlich evolutive Erfolgsmodell menschlicher Gemeinschaft darstellen, gehört mit zu den Grundfragen unserer Zeit. Individuelle Verantwortung und autonome Selbstbestimmung kennzeichnen schließlich nicht nur die persönliche Lebensgestaltung, sondern prägen ebenso die wirtschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Bereiche der Gesellschaft. Der überfordernde Zwang zur permanenten Selbst-Inszenierung und zur Verwirklichung des eigenen Ichs eröffnet aber zugleich einen neuen Zugang zur Rückfrage nach der Notwendigkeit alternativer Gestaltungen von Vergemeinschaftung, die Verlässlichkeit schenken und speziell der Dimension der Gerechtigkeit Rechnung tragen. Angesichts der anstehenden sozialen Probleme und veranlasst durch das Jubiläum von 10 Jahren «Sozialwort» des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich stellte sich die 15. Ökumenische Sommerakademie Kremsmünster 2013 provokant die biblische Nachfrage «Wer ist mein Nächster?» und erkundete so «das Soziale in der Ego-Gesellschaft».
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Michael Pauen. Ohne Ich, kein Wir: Warum wir Egoisten brauchen

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Michael Pauen

Ohne Ich, kein Wir

Warum wir Egoisten brauchen

Wer heute auf die Idee kommt, den Egoismus zu verteidigen, muss ein wenig mutig sein. Schließlich scheint der Egoismus verantwortlich zu sein für einige der größten Probleme in unseren stark individualisierten Gesellschaften.

Diese negative Einstellung gegenüber dem Egoismus ist weit verbreitet und sie ist keine neue Erfindung. Der vielleicht wortmächtigste Fürsprecher der Vorstellung, dass Egoismus substanziell antisozial sei, ist Schopenhauer. Bei ihm heißt es:

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