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«Bis dat, qui cito dat»

«Gegengabe» in Paremiology, Folklore, Language, and Literature – Honoring Wolfgang Mieder on His Seventieth Birthday

Edited By Christian Grandl and Kevin J. McKenna

Bis dat, qui cito dat – never has a proverb more aptly applied to an individual than does this Medieval Latin saying to Wolfgang Mieder. «He gives twice who gives quickly» captures the essence of his entire career, his professional as well as personal life. As a Gegengabe, this international festschrift honors Wolfgang Mieder on the occasion of his seventieth birthday for his contributions to world scholarship and his kindness, generosity, and philanthropy. Seventy-one friends and colleagues from around the world have contributed sixty-six essays in six languages to this volume, representative of the scope and breadth of his impressive scholarship in paremiology, folklore, language, and literature. This gift in return provides new insights from acknowledged experts from various fields of research.
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Zitierkarrieren: Vom Vergehen und Überleben markanter Sätze

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Kathrin Steyer

Meinem Freund Wolfgang Mieder

in tiefer Verbundenheit gewidmet!

1Überlieferung in Zeiten der Massenmedien

Im Mittelpunkt des Beitrags steht der sprachliche Übergang vom – wie Lüger treffend formuliert – "x hat gesagt, daß p", d.h. dem "Zitieren von Äußerungen eines konkreten Sprechers zu einem bestimmten Zeitpunkt", zum "MAN sagt, daß p", d.h. der Wiedergabe dessen, "was innerhalb einer Sprachgemeinschaft an allgemeingültigen Aussagen, Urteilen oder Regeln etabliert ist" (1999:121).

Die Korpusanalyse bietet die Chance, die Zitierkarriere usuell gewordener Sätze zumindest für bestimmte zeitliche Etappen relativ genau nachzuvollziehen, manchmal sogar bis zum (vermeintlichen) Ursprungskontext. Fast immer lassen sich explizite Belege für eine Autorschaft bzw. die eine solche Zitierkarriere auslösende Situation im Korpus oder im Internet finden – für den Zitierurknall sozusagen. Allerdings bedeutet ein Erstbeleg im Korpus keineswegs, dass die jeweilige Wortverbindung nicht schon vorher im Sprachschatz des Volkes geprägt und verwendet wurde. In der Regel gibt es eine – nicht rekonstruierbare – diskursive Vorgeschichte, denn kein Sprecher kommuniziert ohne die eigene Sprachbiografie mit all den sprachlichen Einflüssen und kulturellen Wurzeln.

Viele Sätze entstehen und vergehen im Fluss der Kommunikation. Andere leben weiter, setzen sich aber für die Sprachteilhaber unsichtbar – unter der Hand – durch und werden demzufolge gar nicht als Wiederaufnahmen oder Zitate angesehen. Und nur ganz bestimmte Sätze überleben auf lange Sicht. Für eine massenhafte Verbreitung bedurfte es schon immer legitimierter Sprecher, deren Sprachverhalten aufgrund...

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