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Interest Will Not Lie – oder doch?

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Miriam Köhle

Eigeninteresse der Akteure und Akteurinnen ist in der zeitgenössischen Ökonomie die zentrale Motivation menschlichen Handelns. Was aber ist Interesse eigentlich? Diese Arbeit verfolgt zunächst die Spur des schillernden Begriffs von seinen Ursprüngen über seine vielgestaltige Entwicklung bis hin zum zeitgenössischen Gebrauch anhand von Originaltexten des Jansenisten Pierre Nicole, des französischen Moralisten François de La Rochefoucauld, der schottischen Aufklärer David Hume und Adam Smith sowie des politischen Ökonomen John Stuart Mill. Sie analysiert die Implikationen, die das Konzept birgt, und plädiert für eine klarer umrissene, abgegrenzte Verwendung des Begriffs neben anderen, um der Komplexität der ökonomischen Realität wissenschaftlich gerecht zu werden.
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1 Einleitung

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1.1 Fragestellung und Zielsetzung

Die Ökonomie ist eine Theorie der Wahl. Doch wie entscheiden Menschen und warum entscheiden sie sich so, wie sie sich entscheiden? Zentral in der Erklärung menschlichen Verhaltens in der Ökonomie ist das Motiv Interesse und speziell das Eigeninteresse der Akteurinnen und Akteure. Was aber ist Interesse?

Albert O. Hirschman geht in seinem Standardwerk Leidenschaften und Interessen – Politische Begründungen des Kapitalismus vor seinem Sieg ([1977] 1987) der Geschichte des Konzepts nach. Bei Plato finden sich zwei Arten von Motiven, die menschliches Verhalten auslösen und lenken – die Leidenschaften und die Vernunft (Hirschman, [1977] 1987, S. 52). Augustinus identifiziert drei Hauptsünden, drei Leidenschaften, die einen Menschen zu einem gefallenen Menschen machen – Machtgier, sexuelle Begierde und Habgier (Hirschman, [1977] 1987, S. 17). Diesen Leidenschaften wird eine zerstörerische Wirkung zugeschrieben (Hirschman, [1977] 1987, S. 23). Sie scheinen die Herrschenden zu skrupellosem Verhalten gegenüber ihren Untertanen, ununterbrochener Kriegsführung, Willkür und Grausamkeit zu verleiten (Holmes, 1990, S. 275-276; Hirschman, [1977] 1987, S. 89, 105). Die Vernunft hingegen wird als wirkungslos empfunden, da sie von den wilden Leidenschaften dominiert zu werden scheint (Hirschman, [1977] 1987, S. 32-33, 52, 55). ← 7 | 8 →

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