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Interest Will Not Lie – oder doch?

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Miriam Köhle

Eigeninteresse der Akteure und Akteurinnen ist in der zeitgenössischen Ökonomie die zentrale Motivation menschlichen Handelns. Was aber ist Interesse eigentlich? Diese Arbeit verfolgt zunächst die Spur des schillernden Begriffs von seinen Ursprüngen über seine vielgestaltige Entwicklung bis hin zum zeitgenössischen Gebrauch anhand von Originaltexten des Jansenisten Pierre Nicole, des französischen Moralisten François de La Rochefoucauld, der schottischen Aufklärer David Hume und Adam Smith sowie des politischen Ökonomen John Stuart Mill. Sie analysiert die Implikationen, die das Konzept birgt, und plädiert für eine klarer umrissene, abgegrenzte Verwendung des Begriffs neben anderen, um der Komplexität der ökonomischen Realität wissenschaftlich gerecht zu werden.
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2 Französische Moralisten

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Die Denkschule der Französischen Moralisten siedelt sich im breiten Spektrum zwischen dem klerikalen Jansenismus und der sekularen Moralphilosophie an (Swedberg, 2005, S. 12). Der Jansenismus entsteht Anfang des 17. Jahrhunderts als religiöse Strömung, die sich auf die Lehren des Kirchenvaters Augustinus von Hippo bezieht. Zentrum der Bewegung ist das Kloster von Port-Royal, spirituell geleitet wird sie von der Äbtissin Angélique Arnauld und Jean Duvergier de Hauranne, dem Abt von Saint-Cyran. (Heilbron, 1998, S. 83) Sie lehnen weltliche Einflüsse ab und bekennen sich zu einem einfachen und frommen Leben, wie Marguerite Tollemache (1893, u.a. S. 15, 61) ausführlich darlegt.

Wallace K. Ferguson (1927, S. 17) beschreibt die Bewegung als kompromisslos in ihrem absoluten Anspruch an Theologie und Moral. In der augustinischen Tradition stehend betonen die Jansenisten die Schwäche und Not des Menschen durch den Sündenfall (Heilbron, 1998, S. 83). So schreiben sie dem Sünder keinen Einfluss auf seine Erlösung zu und sehen ihn als unausweichlich der göttlichen Gnade ausgeliefert, die über die Aufnahme in das Himmelreich entscheidet (Tollemache, 1893, S. 14).

Der Jansenismus ist nicht nur eine theologische Bewegung, sondern entwickelt sich zu einer starken politischen Opposition (Ferguson, 1927, S. 17). Saint-Cyran lehnt Richelieus Politik ab und wird dafür für viele Jahre eingesperrt (Tollemache, 1893, S. 31-33). Das 1640 posthum veröffentlichte Werk Augustinus von ← 13 | 14 → Cornelius Jansen, der der Bewegung ihren Namen gibt, wird von Papst Urban VIII. 1643 offiziell...

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