Show Less
Restricted access

Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip?

Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit

Jürgen Hollweg

Salz: Was verbarg sich hinter diesem Allerweltsbegriff? Handelte es sich um ein Gewürz und Konservierungsmittel, das mit Gold aufgewogen wurde? War es ein Symbol für das Bündnis Gottes mit seinem auserwählten Volk? Wurde damit ein Wirkprinzip bezeichnet, das allem Stofflichen seine Eigenschaften verleiht? War es der Ursprung aller Dinge oder ein chemisches Element? Klassifiziert der Begriff eine Stoffgruppe? Oder erhält man es als Ergebnis einer chemischen Reaktion? Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in Handel, Handwerk und aufkommenden Manufakturen sowie in der Medizin waren die Salze in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Forschungsgegenstand. Die Entwicklung des Begriffes in dieser Zeit und seine vielfältigen Veränderungen werden anhand von Beispielen untersucht und dargestellt.
Show Summary Details
Restricted access

4. Die Prinzipien des Paracelsus

Extract

4.   Die Prinzipien des Paracelsus

Seit der Antike wurden verschiedene Stoffe im Hinblick auf Wasserlöslichkeit und Geschmack mit dem Kochsalz verglichen. Schon Aristoteles, Dioskurides und Plinius beschrieben einzelne Salze sowie ihre technologischen Anwendungen. Sie versuchten daneben, Theorien über ihre Entstehung zu entwickeln. Ähnlichkeiten und Beziehungen der Substanzen zueinander wurden aufgeführt und diskutiert, und die Grundlagen für den Gattungsbegriff gelegt.1 Dittberner verneint jedoch die Eingruppierung in eine gemeinsame Stoffklasse durch Plinius.2 Sie zeigt auf, dass erstmalig im 5. Jahrhundert n. Chr. ein sehr enger Zusammenhang einiger Salze durch Balinas (Pseudo-Appolonius von Tyana) auf Grund ihres Geschmacks angegeben wird.3 Die eindeutige Einführung des Sammelbegriffs „Salze“ für eine Stoffklasse schreibt sie in ihrer Dissertation jedoch Ibn Sina (Avicenna) (~980–1037) zu und belegt diese Ansicht eindrucksvoll.4 Die weiteren Autoren des Mittelalters erweiterten die Kenntnisse über die Salze in praktischer Hinsicht, trugen aber nichts zur weiteren Definition des Begriffs bei.

Die Wissenschaftler des 16. Jahrhunderts folgten diesen Definitionen und unternahmen Systematisierungsversuche nach äußeren Merkmalen. Insbesondere gliederten sie die Salze nach der Art ihrer Gewinnung, nach der Ähnlichkeit in Aussehen, Geschmack, Geruch und haptischer Wahrnehmung sowie nach ihrem Verhalten im Feuer.5 Eine vollkommen neue Wendung erhielt der Salzbegriff dann durch Paracelsus. Er erhob ihn neben „Quecksilber“ und „Schwefel“ zu einem Grundprinzip, das an der Ausformung der gesamten stofflichen Welt durch Vermittlung spezifischer Eigenschaften beteiligt ist.

Theophrastus Philippus Aureolus Bombastus von Hohenheim (1493–1541) nannte sich selbst Paracelsus.6 Nach mehreren Anfeindungen und Demütigungen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.