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Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip?

Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit

Jürgen Hollweg

Salz: Was verbarg sich hinter diesem Allerweltsbegriff? Handelte es sich um ein Gewürz und Konservierungsmittel, das mit Gold aufgewogen wurde? War es ein Symbol für das Bündnis Gottes mit seinem auserwählten Volk? Wurde damit ein Wirkprinzip bezeichnet, das allem Stofflichen seine Eigenschaften verleiht? War es der Ursprung aller Dinge oder ein chemisches Element? Klassifiziert der Begriff eine Stoffgruppe? Oder erhält man es als Ergebnis einer chemischen Reaktion? Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in Handel, Handwerk und aufkommenden Manufakturen sowie in der Medizin waren die Salze in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Forschungsgegenstand. Die Entwicklung des Begriffes in dieser Zeit und seine vielfältigen Veränderungen werden anhand von Beispielen untersucht und dargestellt.
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5. Die Salze der Chemiker

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5.   Die Salze der Chemiker

5.1  Andreas Libavius: Alchemia

Andreas Libavius (nach 1555–1616) wurde in Halle geboren und besuchte dort das Gymnasium. Er studierte zunächst Philosophie und Geschichte in Wittenberg und Jena, etwas später erwarb er den Doktorgrad in Medizin an der Universität Basel. Er wirkte einige Jahre als „Stadtphysikus“ in Rothenburg o.d.T., war aber die längste Zeit seines Lebens als Lehrender in Ilmenau, Jena und vor allem in Coburg tätig.1 Andreas Libavius war ein Universalgelehrter seiner Zeit, einer Zeit, die sich in den deutschen Ländern durch eine gewisse Konsolidierung in Gesellschaft und Politik sowie auch in Glaubensfragen auszeichnete. Er war Arzt, Chemiker und Philosoph in einer Person; vor allem aber muss er als einer der großen „Schulmeister“ bezeichnet werden2, ein Lehrer, der seinen Beruf als Grundlage des Lernens und einer stabilen intellektuellen und gesellschaftlichen Grundordnung sah.3 Diese innere Haltung setzte ihn in einen diametralen kulturellen Gegensatz zu Paracelsus, der das Lernen aus den alten Schriften von Aristoteles und Galen verdammte.4 Libavius ging es in seiner Kritik an Paracelsus und seinen Nachfolgern allerdings mehr um die Form der Gewinnung und Weitergabe chemischen Wissens als um die Inhalte der paracelsischen Lehre. Neben der „Alchemia“ hat er viele weitere Bücher und Briefe geschrieben, in denen er seine kulturellen und philosophischen Ansichten verteidigte.5

Paracelsus hat seine chemischen Ansichten und iatrochemischen Rezepte in vielen einzelnen Schriften recht unsystematisch niedergeschrieben. Im Gegensatz dazu stehen der geordnete Aufbau und die Zusammenfassung...

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