Show Less
Restricted access

Der Grundschuldsicherungsvertrag als Wandlung eines Treuhandverhältnisses

Ein Beitrag zur Überwindung der Dichotomie von Sicherung und Treuhand

Series:

Matthias Michael Kappel

Der Grundschuldsicherungsvertrag ist einer der bedeutsamsten Innominatverträge der bankrechtlichen Praxis. Die überragende wirtschaftliche Bedeutung hat jedoch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung keinen Niederschlag gefunden. An dieser Stelle setzt die Arbeit an und nimmt eine umfassende Rechtsnaturbestimmung des Grundschuldsicherungsvertrages vor. Im Laufe seines Bestandes unterliegt der Sicherungsvertrag in objektiver Hinsicht einer Wandlung, die sich eng an der Entwicklung der gesicherten Forderung orientiert. Auf diese Weise durchlebt das Vertragsverhältnis sämtliche Stadien eines Treuhandverhältnisses. Parallel hierzu durchläuft der Sicherungsvertrag eine Wandlung auf der Ebene der Interessenrichtung. Während der Sicherungsvertrag zum Auszahlungszeitpunkt Nutzen für beide Parteien mit sich bringt, nimmt die fremdnützige Tätigkeit des Sicherungsgebers aufgrund der Rückführung seines Sicherungsbedürfnisses stetig zu. Der vollständige Wegfall des Sicherungsbedürfnisses führt schließlich zu einem rein fremdnützigen Rechtsverhältnis, das seine Beendigung durch die Rückgewähr der bestellten Sicherheiten erfährt.
Show Summary Details
Restricted access

§ 3 Die Treuhand und DAS Verhältnis zu den Sicherungsgeschäften

Extract

An dieser Stelle kann keine vollständige Darstellung der Entwicklung des Treuhandrechts erfolgen. Die nachfolgende Ausführung will lediglich einen Überblick über die Entstehung eines Rechtsinstitutes geben und dabei die wichtigsten Erkenntnisse und Weiterentwicklungen aufzeigen. Angesichts einer fehlenden allgemeinen Kodifikation der Treuhand im deutschen Recht, ist es nach wie vor der Wissenschaft und Rechtspraxis überlassen, probate Lösungsansätze zu finden. Erschwert wird die Untersuchung durch den Umstand, dass die Treuhand sowohl Berührungspunkte zum Schuld-, als auch zum Sachenrecht aufweist. Die „zwitterhafte Gestalt“ der Treuhand führt dazu, dass die herkömmliche Unterteilung in obligatorische und dingliche Kategorien nahezu versagt.1

Es gibt wenige Rechtsfiguren im Privatrecht, die sich auf eine derart lange Entwicklungsgeschichte berufen können, wie die Treuhand. Wie an eine „Perlenschnur“ gereiht, durchzieht sie sämtliche Epochen und hat in nahezu allen Rechtsordnungen Verbreitung gefunden.2 Zurecht wird sie daher als „uralt“3 und mittlerweile „Gemeingut“4 bezeichnet. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass sich Bedürfnisse und Motive, die einer treuhänderischen Rechtsgestaltung zu Grunde liegen, nicht signifikant weiterentwickelt haben: im Zentrum steht immer die Wahrnehmung fremder Interessen in eigener Machtstellung, die Innehabung von Vermögensgütern in fremdem Interesse. 5 ← 21 | 22 →

Im altrömischen Recht bestand bereits das Bedürfnis der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Gebiet der Sicherung von Realkrediten Rechnung zu tragen. Da ein Pfandrecht unbekannt und das starre System des ius civile nur bestimmte Rechtsgeschäfte zuließ, wurden Vermögensgüter vollständig mittels mancipatio auf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.