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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.
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Heime der Fürsorgeerziehung

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In den kirchlichen und sonstigen Anstalten der Fürsorgeerziehung setzen sich die herkömmlichen Vorstellungen von Zucht und Gehorsam seit 1933 wieder nahezu ungebrochen durch. Reformansätze aus der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege der Weimarer Zeit stehen unter Verdikt. Hingegen setzt mit verschiedenen staatlichen Maßnahmen eine Differenzierung der Heime nach ›erbgesundheitli-chen‹ Prinzipien ein. Als ›volksbiologisch minderwertig‹ kategorisiert, können auch verhaltensauffällige Zöglinge der Zwangssterilisation unterzogen werden. Seit August 1940 besteht in Preußen je ein sogenanntes ›Jugendschutzlager‹ für Jungen und für Mädchen, die als ›unerziehbar‹ gelten. Auch im sächsischen Mittweida besteht ein solches Lager. Von der Einweisung betroffen sind ›kriminelle und asoziale‹ Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren, zumeist solche, die sich bereits in Erziehungsanstalten befunden, deren Regime aber nicht gefügt haben.145 Gleichzeitig wird für die Delikte ›Arbeitsvertragsbruch‹ und ›Arbeitsbummelei‹ für 14- bis 18-jährige Jungen und Mädchen der Jugendarrest mit einer Dauer von bis zu einem Monat eingeführt. Wird dieser nicht für ausreichend gehalten, kann eine dreimonatige Haftstrafe verhängt werden. Auch ›unbestimmte‹ Verurteilungen sind möglich. Männliche Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr, bei denen Fürsorgeerziehung und Schutzaufsicht nicht zur erwarteten Disziplinierung geführt haben und die schlechthin als ›unerziehbar‹ gelten, können seit 1940 für ein Jahr in ein spezielles, von SS-Personal geführtes ›Arbeitserziehungslager‹ verbracht werden.146 Ein solches Lager entsteht gleichfalls für Mädchen.147 Nach Kriegsbeginn erlassene Verordnungen, die sich auf ›jugendliche Schwerverbrecher‹, auf ›Volksschädlinge...

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