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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.
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7.3 Schulpolitik in den Westzonen

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Reformansätze

Im Rahmen eines gegenüber der Zeit vor 1933 deutlich zugunsten von Reformen veränderten politischen Kräfteverhältnisses setzt die 1933 in Deutschland abgebrochene Schuldiskussion neu ein. Die herkömmlich gegliederte Schulorganisation wird mit Beginn des ersten Nachkriegsschuljahres vorbehaltlich weiterer Entscheidungen der Alliierten in allen Zonen beibehalten, aber sie steht zur Disposition. Anders als nach dem Ersten, nun mit der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges halten die Siegermächte Eingriffe nun auch in das deutsche Bildungswesen1 für notwendig.

Reform-vorhaben

Zugleich kommt es in den ersten Monaten nach Kriegsende auf deutscher Seite in nahezu allen Ländern der drei westlichen Besatzungszonen zu schul- und bildungsreformerischen Bestrebungen.2 Zu den übergreifenden Zielvorstellungen gehören die Demokratisierung der Schulen und Hochschulen, die Aufhebung der Bildungsprivilegien, die Schaffung der ›Einheitsschule‹, der Ausbau der Volksschule, die Akademisierung der Lehrerbildung, die organisatorische Trennung von Schule und Kirche einschließlich der Frage des Religionsunterrichts, die Koedukation, die Gewährung von Lern- und Lehrmittelfreiheit sowie von Erziehungsbeihilfen. Seit Ende 1946 büßen die Reformanhänger jedoch an Einfluss ein. Bildungspolitiker mit politisch sozialistischem Hintergrund verlieren in den Bildungsverwaltungen Zug um Zug, zuerst in den süddeutschen Ländern, dann bis 1948/49 weitgehend auch im Norden, ihre Positionen. Im Rahmen von Koalitionsregierungen werden sie in ihren Wirkungsmöglichkeiten beschränkt. Auch sozialpolitisch motivierte Christdemokraten, so in Hessen, sind betroffen. In den Vordergrund treten mehr und mehr Minister und Ministerialbeamte, die bei teils starker Kirchenbindung und gemeinhin akademischer Sozialisation – h...

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