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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.
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9 Modernisierungserfolge und Grenzerfahrungen bis zum Ende deutscher Zweistaatlichkeit

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9.1 Bildungsreformen im gesellschaftlichen Wandel, zwischen politischem Konsens und Konfrontation

Ausgangslagen

In den 1960er Jahren macht sich geltend, was sich an sozialstrukturellem, mentalem und kulturellem Wandel zuvor bereits angebahnt hat. Gesellschaftspolitische Reformbestrebungen gewinnen an Kraft, und sie zeigen sich besonders im Bildungswesen.1 Zugleich gewinnen Bildungsfragen in der internationalen politischen Systemkonkurrenz zwischen Ost und West an Bedeutung. Auch das politische Kräfteverhältnis verändert sich. Mit der Ende 1966 gebildeten Großen Koalition wird die SPD erstmals auf Bundesebene an der Regierungsverantwortung beteiligt. Die Partei gewinnt dann 1969 die Wahl und stellt erstmals den Bundeskanzler.

Anfangs ist es weniger die Situation der Schule, sondern die des Hochschulwesens2, die zu bildungspolitisch planvollerem Handeln und in der Folge zu bildungsreformerischen Überlegungen provoziert. Der 1957 gegründete Wissenschaftsrat signalisiert mit seinen das Hochschulwesen betreffenden Empfehlungen von 1960 dringenden Investitionsbedarf.3 Die Zahl der Abiturienten und Studierenden hat sich von Beginn bis Ende der 1950er Jahre vor allem demografisch bedingt nahezu verdoppelt. Bemessen an den vorhandenen Kapazitäten sind die Universitäten wieder ›überfüllt‹. Sie stehen fortan unter einem Andrang, der sie an den Grenzen der Belastbarkeit hält.

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