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Kindgemäß und literarisch wertvoll

Untersuchungen zur Theorie des "guten Jugendbuchs</I> – Anna Krüger, Richard Bamberger, Karl Ernst Maier

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Sonja Müller

Der dominante literaturtheoretische und -pädagogische Diskurs in Westdeutschland und Österreich der 1950er und 1960er Jahre zielte auf eine Festlegung dessen ab, was unter einem guten Jugendbuch zu verstehen sei. Die fachgeschichtliche Studie sucht die Argumentationen der wichtigsten Theoretiker des guten Jugendbuchs, Anna Krüger, Richard Bamberger, Karl Ernst Maier, nachzuzeichnen. Daneben kommen weitere Literaturpädagogen der Zeit mit ihren teils konservativen, teils progressiven Positionen zur Sprache. Die Auseinandersetzung mit den Kinderliteraturkonzepten dieser Epoche stellt sich als in vielerlei Hinsicht gewinnbringend für die aktuelle Theoriebildung heraus.
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3. Kapitel: Eine literaturtheoretische Strömung etabliert sich (1952–1968)

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Die Not und die Mangelwirtschaft der unmittelbaren Nachkriegsjahre wandeln sich in den 1950er und 1960er Jahren zu einer konsum- und freizeitorientierten Gesellschaft mit neuen Werten und neuen Verhaltensweisen. Dieser Wandel wird ab Mitte der 1950er Jahre im Rahmen zahlreicher Jugendstudien genauer untersucht.214 Die Jugend der ersten Nachkriegsdekade bezeichnet Helmut Schelsky als Die skeptische Generation. In seiner 1957 erstmals herausgegebenen und vielfach beachteten, gleichnamigen soziologischen Studie beschreibt er die damaligen 14–25jährigen als eine Generation, die nach den Schrecken des Krieges, nach den Erfahrungen von sozialen und materiellen Verlusten, „ohne den Halt lebensweisender Autoritäten und Vorbilder“ (Schelsky 1963, S. 381) geprägt sei durch eine entpolitisierte, entideologisierte, nüchterne und teilweise auch resignierte Haltung.215

Ab Mitte der 1950er Jahre kommen die nach 1940 Geborenen in die Jugendphase und damit Jahrgänge, die das Kriegsende und die Nachkriegszeit anders wahrgenommen hatten. Der stillen und skeptischen Generation folgt eine, die nach der wirtschaftlichen und politischen Stabilisierung in der Adenauer-Ära dem Konsumgenuss, einem neuen Freizeitverhalten und dem American Way of Life216 positiv ← 115 | 116 → gegenübersteht und die versucht, sich durch eine eigene, autonome Jugendkultur von der Erwachsenengeneration abzugrenzen (vgl. ebd., S. 386ff und Maase 1992, S. 73). Es entwickelt sich zunehmend ein jugend- und kinderkultureller Literatur- und Freizeitmarkt, der von Kindern und Jugendlichen stark genutzt wird, sich jedoch erwachsener Kontrolle vielfach entzieht. Dieses Verhalten und der schwindende Einfluss der Familie stoßen bei der älteren Generation und bei den Erziehungsinstanzen auf große Verunsicherung. Zudem sehen einige Literaturp...

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