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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Lolivetta, Straparola und die Brüder Grimm: Luisa Rubini Messerli

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Luisa Rubini Messerli

Lolivetta, Straparola und die Brüder Grimm

Der Barockroman Das teutsche Gespenst, der unter dem Pseudonym von Casparo Lolivetta1 1684 in Leipzig erschien, weckte in romantischen Kreisen ein reges Interesse.2 Ludwig Tieck (1773–1853) besaß ein Exemplar und Clemens Brentano (1778–1842) schenkte 1832 den Grimms das eigene.3 Was darin Jacob und Wilhelm Grimm sowie Tieck und Brentano gewiss neugierig machte, ist Lolivettas Übernahme von drei der schönsten Märchen aus Giovan Francesco Straparola4 (1480–ca. 1557), während ein viertes in Lolivettas Vorrede an den Leser verwendet wird, um die eigene, wohl literarische „Schamlosigkeit“ zu rechtfertigen.5 Diese „Schamlosigkeit“ muss hingegen in einer bis zum äußersten geführten Entlehnungspraxis aus fremden literarischen Werken ohne Hinweise auf die Autoren gesucht werden. Würde man das aus heutiger Sicht als Plagiat brandmarken, würde man die vom Autor genau durchdachte ästhetische Romankomponente übersehen, die den Lesegenuss steigert und worin sich der Autor am überlegensten zeigt.

Straparolas Bedeutung für die internationale Etablierung des Zaubermärchens in Literatur und in Folklore ist bekannt. Charles Perrault verbeugte sich in seinen Contes vor dem Lombarden so offensichtlich, dass es übersehen wurde.6 Auf wen könnte sonst jener „Marquis de Carabas“ – des gestiefelten Katers Herrn und Gebieter – anspielen, wenn nicht schlicht auf Straparola selbst, dessen Herkunft „da Caravaggio“ auf den Titelblättern seiner Märchen erscheint?

Zu Straparola gebührt den Brüdern Grimm die zweite Erwähnung. Ihre Würdigung der italienischen...

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