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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Zur Visualisierung einer Landschaft der ‚Naturpoesie‘ – die Brüder Grimm und Philipp Otto Runges Konzept einer ‚neuen Landschaft‘: Isamitsu Murayama

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Isamitsu Murayama

Zur Visualisierung einer Landschaft der ‚Naturpoesie‘ – die Brüder Grimm und Philipp Otto Runges Konzept einer ‚neuen Landschaft‘

Runges Stellenwert in der Grimm-Forschung

In der Entstehungsgeschichte der Kinder- und Hausmärchen spielte Philipp Otto Runge bekanntlich eine bedeutende Rolle. Zum einen wurden zwei von ihm im pommerschen Dialekt aufgezeichnete Märchen, Van den Machandel-Boom und Von den Fischer und siine Fru, in die Kinder- und Hausmärchen aufgenommen,1 zum anderen wurde den Brüdern Grimm vor allem Van den Machandel-Boom von Clemens Brentano, dessen Auffassung von der mündlichen Überlieferung und deren Herausgabe sie maßgeblich beeinflusste, als ein Musterbeispiel des volkstümlichen Märchens empfohlen, und von ihnen selbst denn auch als solches wahrgenommen.2

In der Forschung sind die beiden Märchen von Runge wegen eines anderen Aspekts immer wieder thematisiert worden: Die scheinbar mündlicher Tradition getreuen Märchen sind in Wirklichkeit gründlich nach ästhetischen Überlegungen durchgestaltet. So wählte der Maler-Erzähler beispielsweise die darin verwendeten Farben der Meeresoberfläche nach seiner Farbentheorie genau aus und kalkulierte auch präzis den zeitlichen Ablauf der Handlung. Dadurch wurde nicht nur der Mythos der Runge’schen Märchen als ‚typisch volkstümliche Erzählungen‘ zerstört, sondern auch nachgewiesen, dass sowohl die Grimm’sche Methode der Märchenbearbeitung – aus verschiedenen Varianten selektierend eine ideale Fassung zusammenzustellen – als auch die stilistischen Merkmale vieler Kinder- und Hausmärchen von Runges Musterbeispielen geprägt worden sind.3

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