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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Die Kinder- und Hausmärchen zwischen Philologie und Spekulation. Möglichkeiten und Grenzen der Forschung: Lothar Bluhm

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Lothar Bluhm

Die Kinder- und Hausmärchen zwischen Philologie und Spekulation. Möglichkeiten und Grenzen der Forschung

200 Jahre Kinder- und Hausmärchen sind auch 200 Jahre Beschäftigung mit den Märchen. Es sind nicht zuletzt 200 Jahre Geschichte ihrer wissenschaftlichen Erforschung und deren Verwobenheit in soziokulturelle, politisch-ideologische und andere Interessenlagen sowie in zeittypische Selbstverständlichkeiten. Es ist eine Geschichte der Auseinandersetzungen, Interpretationen, Wunschvorstellungen und Selbsttäuschungen – von anderen Täuschungen ganz zu schweigen. Das ist weder tragisch noch eigentlich bemerkenswert, sondern eine beinahe selbstverständliche Begleiterscheinung jedweder wissenschaftlichen Diskursgeschichte. Sie verdiente auf jeden Fall eine gründliche Aufarbeitung. Und vielleicht würde gerade dadurch das Grimm’sche Märchen in besonderer Weise erhellt werden, weil eine solche Aufarbeitung dann in aller Klarheit offenlegen dürfte, wie sehr die Sammlung und wie sehr die einzelnen Texte im Laufe ihrer Erforschung zum Gegenstand jeweils eigener Zuschreibungen geworden sind.1 Und vielleicht wäre das eigentliche Ergebnis einer solchen Aufarbeitung schließlich die Erkenntnis, dass das Märchen immer nur das ist, was man in ihm sehen will. Aber das kann und soll nicht hier entschieden werden.

Die Geschichte der Deutungsdifferenzen in Bezug auf das Märchen schreibt sich bis in die Gegenwart fort. Die Kinder- und Hausmärchen sind ein Feld, auf dem sich die unterschiedlichsten populären, populärwissenschaftlichen und fachwissenschaftlichen Interessen begegnen. Die verschiedensten Selbstverständlichkeiten stoßen aufeinander und lassen ein spannungsintensives System wechselseitiger Irritationen entstehen. Die vorherrschenden Reaktionen aufeinander sind Unverständnis,...

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