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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Politik des Wunderbaren: Nationale Identität und Utopie in ausgewählten Werken der Brüder Grimm: Dorothee Ostmeier

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Dorothee Ostmeier

Politik des Wunderbaren: Nationale Identität und Utopie in ausgewählten Werken der Brüder Grimm

Einleitung: ‚Das Wunderbare‘ der Grimms in der postmodernen Phantasie

Der im Mai 2012 erschienene Fantasy-Film Snow White and the Huntsman zitiert Aschenputtels Vögel als magische Helfer, die in diesem Fall auch Schneewittchen helfen, trostlosen Situationen zu entfliehen. Das Grimm’sche Konzept der magischen Naturpoesie wird hier mitsamt seinen utopischen Konnotationen verwendet, um das feministische Programm des Filmes durchzusetzen. Der Sadismus der Stiefmutter richtet sich allerdings nicht nur gegen Schneewittchen, sondern auch gegen den Vater und die weibliche Jugend insgesamt. Bitterer Männer- und Frauenhass verbinden sich miteinander. Die hoch attraktive Stiefmutter erklärt Schneewittchens Vater in der Hochzeitsnacht, dass sie ihn – wie auch andere vor ihm – tötet, um sich der an jede Ehe gebundenen sexuellen Ausnutzung zu entziehen und die königliche Macht an sich zu reißen. Doch sobald sie die Macht übernimmt, erhält sie ihre schwindende Schönheit durch das vampirhafte Aussaugen der Jugend ihrer weiblichen Untertanen. Dieser Brutalität setzt der Film die Vögel entgegen, die immer dann erscheinen, wenn kein Mensch mehr helfen kann.1 Das Schneewittchen des 21. Jahrhunderts muss keine magischen Formeln mehr einsetzen, sie hat eine unmittelbarere Verbindung zu den Vögeln als Grimms Aschenputtel, die den Kontakt durch das Mantra ihrer lyrischen Poesie etabliert: „ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen: die guten ins...

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