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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Behinderung als Märchen. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Kontext des Monstren-Wissens um 1800: Urte Helduser

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Urte Helduser

Behinderung als Märchen. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Kontext des Monstren-Wissens um 1800

„Es ist unhöflich genug am Leben zu sein, wenn man nicht erwünscht ist“ – mit diesem Vorwurf sieht sich das grüne Monster Shrek im gleichnamigen Animationsfilm aus dem Jahr 2001 konfrontiert. Ausgesprochen wird er vom selbsternannten Hüter von „Ordnung und Perfektion“ Lord Farquaad, der mit Shrek seinen Nebenbuhler um Prinzessin Fiona ‚ausschalten‘ möchte. Der anarchische „Oger“ Shrek ist der Eindringling in Farquaads autoritär regiertes Königreich, dessen Ordnungsvorstellungen auf rigider Körper-Disziplinierung und Normierung beruhen. Mit der Inszenierung der Gegensätze von Schönheit und Hässlichkeit, von körperlicher Normalität und Abweichung verhandelt der Film Shrek ein tradiertes Märchenmotiv, inklusive der Frage nach dem Umgang mit diesem Abweichenden, dem hässlichen Anderen. Die eher en passant getroffene Feststellung Farquaads setzt die ahistorisch anmutende ferne Märchenwelt in Bezug zu Diskursen des 20. und 21. Jahrhunderts: Lord Farquaads Bemerkung ruft einen biopolitischen Diskurs auf: das Thema der Regulierung des Lebens und die Unterscheidung zwischen einem ‚erwünschten‘ und einem ‚unerwünschten‘ Leben.

Mit Shrek wird der groteske und fantastische Körper, wie er auch in den Volksmärchen der Brüder Grimm begegnet, mit dem Diskurs über den „falschen Körper“1, den anormalen (behinderten) Körper in Verbindung gebracht.2 Damit überträgt der Film nicht einfach eine ‚aktuelle‘ zeithistorische Dimension auf das Genre des M...

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