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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Juden und Schneider: Integration und Ausgrenzung durch Stereotypenbildung in Clemens Brentanos romantischen Märchen: Cornelia Ilbrig

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Cornelia Ilbrig

Juden und Schneider: Integration und Ausgrenzung durch Stereotypenbildung in Clemens Brentanos romantischen Märchen

Brentanos Das Märchen vom Schneider Siebentodt auf einen Schlag ist das letzte der Binnengeschichten der Mährchen vom Rhein, die dem Vater Rhein erzählt werden, um die vom Mäuseprinzen in den Fluss gelockten Kinder auszulösen. Vermutlich wurde es zwischen August 1811 und April 1812 fertig gestellt.1 Die Geschichte, mit der der kleine Sohn, Garnwichserchen, aus dem Rhein befreit wird, ist gleichzeitig die Ursprungsgeschichte des Schneidersohns sowie eine Kompilation von Schneidermärchen seit dem 16. Jahrhundert.

Das Märchen beginnt damit, dass in Amsterdam eines Tages tiefste Dunkelheit herrscht. Da die Juden dem ‚Befehl‘ der Generalstaaten, der Stadt den „langen Tag“ „zum Geschenck“2 zu machen, nicht Folge leisten, wird – wie selbstverständlich – zu gewaltsamen Methoden gegriffen: Die Schneider – und zwar 9 mal 99 – erklären sich bereit, in die Judengasse zu gehen und den Juden den Langen Tag zu entführen, damit es in Amsterdam wieder hell wird. Nachdem die Schneider die von den Juden zur Verteidigung errichtete Wagenburg gestürmt haben, stellt sich ihnen der Sündenbock entgegen. Den Schneidern gelingt es, diesen im Keller einzusperren; die Schneider treiben die Juden mit Schweinen in die Flucht, stürmen die Schule, die nun nicht mehr verteidigt wird, entführen den Langen Tag sowie den Sündenbock, auf dessen Rücken der Lange Tag gebunden wird. Die Generalstaaten, eine Versammlung der niederländischen Provinzialstaaten, gestehen...

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