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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Leibspeisen. Zur Inszenierung und Funktionalisierung von Ernährung in den Kinder- und Hausmärchen: Nikolas Immer

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Nikolas Immer

Leibspeisen. Zur Inszenierung und Funktionalisierung von Ernährung in den Kinder- und Hausmärchen

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Bandes der Kinder- und Hausmärchen lässt der Schriftsteller Carl Friedrich von Rumohr seine Abhandlung über den Geist der Kochkunst (1822) drucken. Auf den ersten Blick scheinen beide Publikationsereignisse nichts miteinander gemein zu haben: Während Jacob und Wilhelm Grimm eine quellenkritische Märchensammlung präsentieren, liefert Rumohr eine kulturkritische Speiselehre. Zwar erwähnt Wilhelm Grimm in seinem Brief vom 15. September 1826 an Johann Heinrich Christian Bang die Kochkunst Rumohrs, betont aber vor allem deren geringe Tauglichkeit für die praktischen Erfordernisse des täglichen Küchenbetriebs.1 Weitaus aufschlussreicher ist hingegen die Tatsache, dass Rumohr die kulinarische Praxis seiner Zeit kunsttheoretisch reflektiert. Im Gegensatz zu den um 1800 verbreiteten Küchenratgebern bildet Rumohrs Schrift „in der abendländischen Geschichte des ernährungsphilosophischen Denkens“ den ersten „systematische[n] Versuch“, eine „Kochkunsttheorie“ zu formulieren.2 Die bewusste Orientierung an der Kunstphilosophie seiner Zeit wird etwa daran sichtbar, dass Rumohr den „anmuthigen Styl“3 der Speisezubereitung favorisiert, womit er implizit einen Zentralbegriff aus Friedrich Schillers ästhetischer Theorie entlehnt.4 Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang im dritten Buch der Kochkunst, in dem Rumohr als kulinarisches Fernziel ein „verständiges Essen“5 festschreibt, an dem nur derjenige teilzunehmen in der Lage sei, der über hinreichend Kunstverstand und Bildung verfüge. Kurz gesagt: Die Kompetenz, zivilisiert zu speisen, avanciert gleichsam zur funktionalen Erweiterung des Programms von der ästhetischen...

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