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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Einleitung: Holger Ehrhardt

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Holger Ehrhardt

Einleitung

Der Mythos ist im eigentlichen und übertragenen Wortsinn von Beginn an mit den Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm aufs engste verwoben.1 In einem frühen Aufsatz, 1807 im Neuen Literarischen Anzeiger veröffentlicht,2 weist Jacob Grimm darauf hin, dass in verschiedenen Werken der alten europäischen Literatur einzelne Erzählzüge wiederholt werden, was ein Beweis für deren echt poetische Bestandteile bzw. deren epischen Charakter sei.3 Seine dort vorgetragene These von der epischen Volkssage als ältester Geschichte eines Volkes untermauert er mit einem Motiv, das u.a. in der altnordischen Wilkinasaga, der altfranzösischen Berthasage und der mittelhochdeutschen Tristan-Überlieferung zu finden ist.

Wie oftmals begibt es sich nicht in den alten geschichten, dasz eine unschuldige königin, oder neugeborne kinder der grausamkeit wilder diener anvertraut, und von diesen in dem dunkelen wald ermordet werden sollen; dasz aber die mordknechte auf einmal gerührt werden, und weil sie die befohlenen zeichen der that zurückbringen müssen, mitlaufenden hündlein, oder ziegen u. s. w. herz und zunge ausreiszen.4

Dieser Erzählzug, der 1812 in der Erstausgabe der KHM im Sneewittchen (KHM 53) wiederkehrt, lässt sich in den zwei überlieferten handschriftlichen Urfassungen des Märchens allerdings so nicht finden, sondern dort wird der Königstochter lediglich befohlen, die Kutsche im Wald zu verlassen. Jacob Grimm setzt am Rande der handschriftlichen Mitschrift dieses Märchens hinzu: „weil sie hoffte, daß es die wilden Thiere...

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