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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Märchen, Märchenalter und Phantastik. Zur Bedeutung der Kinder- und Hausmärchen für die Literaturpädagogik der 1950er- und 1960er-Jahre: Sonja Müller

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Sonja Müller

Märchen, Märchenalter und Phantastik. Zur Bedeutung der Kinder- und Hausmärchen für die Literaturpädagogik der 1950er- und 1960er-Jahre

Waren in den unmittelbaren Nachkriegsjahren noch kritische Einwände gegen die Verwendung von Märchen als Kinderlektüre erhoben worden, so war diese Gattung in den 1950er-Jahren weitgehend akzeptiert. Nach Auffassung der damaligen Literaturpädagogen erfüllten insbesondere die Grimm’schen Märchen sowohl die Forderung nach Kind- und Jugendgemäßheit als auch die literarästhetischen Forderungen nach Einfachheit und Geschlossenheit in Form, Sprache und Inhalt, die im Rahmen des zeitgenössischen Konzepts einer Theorie des ‚guten Jugendbuchs‘ an die kindlichen Lektüreangebote gestellt werden. So betonte Richard Bamberger die Vorbildfunktion der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen. Von den 210 Nummern seien zwar nur einige Dutzend wirklich bekannt, aus ihnen aber müsse der kritische Maßstab gezogen werden für die vielen Volksmärchen, die man der Jugend biete.1 Die Verknüpfung von Kindheit und Märchen wie die Vorstellung, nach der das Märchen die „ureigenste Welt des Kindes“2 repräsentieren würde, stehen in einer Traditionslinie, die auf Herder und das Kindheitsbild der Romantik zurückgeht und auf die sich auch die Literaturpädagogen der 1950er-Jahre immer wieder berufen.

Von Anna Krüger wird die Kindgemäßheit des Märchens u.a. mit der Parallele zwischen der Phylo- und Ontogenese des Menschen gesehen:

Die Erzählkerne oder Motive der Volksmärchen stammen aus den Kindheitstagen...

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