Show Less
Restricted access

Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

Series:

Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
Show Summary Details
Restricted access

Altersfreuden und Altersdesaster im Märchenkosmos der Brüder Grimm: Brigitte Boothe

Extract

Brigitte Boothe

Altersfreuden und Altersdesaster im Märchenkosmos der Brüder Grimm

Der alte König

Ein König ist Arno Geigers Vater, ein König in seinem Exil. Außerordentlichen Anklang fand Arno Geigers 2011 erschienenes Buch über seinen Vater: Der alte König in seinem Exil. Im Exil lebt der alte Vater-König, denn sein geistiges Reich befindet sich in den Bezirken der Demenz; diese Regionen sind bevölkert von Lebewesen, Landschaften und Wohnstätten, zu denen er privilegierten Zugang besitzt; mit anderen kann er die königlichen Stätten nicht teilen. Im Exil ist der König aber auch, weil er sich, als junger Mann aus dem Elend von Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt, nie mehr in die Welt jenseits seines Dorfes hat hinausbewegen wollen. Und, seltsames Unglück, das ihn von Zeit zu Zeit trifft: Während er im eigenen, seit Kindheit vertrauten Haus weilt, im eigenen Garten umhergeht, wähnt er sich in der Fremde und sehnt sich nach Hause, an seinen heimatlichen Regierungsort, von dem er sich fern glaubt. Sein Sohn, seine Kinder versichern ihm bei solchen Gelegenheiten, dass er zu Hause ist, doch gewöhnlich hat das wenig Wirkung.

Ein König ist der Vater, so sein Sohn Arno Geiger, ein König wie im Märchen, denn er hat Größe und königliche Grazie, auch die Poesie seiner Sprache, die unter dem Einfluss der Demenz steht, hat oft überraschenden Witz, eindrucksvolle Originalität,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.