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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Die kluge Else und die moderne Hysterie: Iris Schäfer

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Iris Schäfer

Die kluge Else und die moderne Hysterie

In seinem 2010 erschienenen Werk Die Angst vor Zurückweisung. Was Hysterie wirklich ist und wie man mit ihr umgeht1 nähert sich Heinz-Peter Röhr den Ursprüngen der psychoanalytischen Literaturinterpretation an, indem er die Eigenheiten, die Mechanismen und die Funktionsweise der modernen Hysterie anhand einer bestimmten literarischen Vorlage, dem Märchen Die kluge Else2 erläutert. Seit der Entdeckung der psychoanalytischen Literaturinterpretation, welche Freud zu verdanken ist, da er den Ödipus-Komplex anhand Sophokles’ König Ödipus3 verdeutlichte, scheint sich auf den ersten Blick nicht viel verändert zu haben. Dass jedoch in einem aktuellen Werk zur Erläuterung hysterischer Phänomene ausgerechnet ein noch dazu relativ unpopuläres Stück der Kinder- und Hausmärchen herangezogen wird, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Einerseits weil diese zur Erscheinungszeit des genannten Werks fast 200 Jahre alte Märchenfassung als scheinbar ideales Beispiel moderner hysterischer Phänomene und Strukturen fungiert und weil es sich andererseits um ein Märchen handelt, das als medizinische Fallgeschichte Verwendung findet.

Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch mehrere Schnittstellen zwischen dem Genre des Märchens und der Psychoanalyse, insbesondere der Hysterie-Forschung. Bereits in den Studien über Hysterie,4 dem so genannten Urbuch der Psychoanalyse aus dem Jahre 1895, wird diese enge Beziehung deutlich, denn in der Fallgeschichte der berühmten Anna O., die um 1880 durch Freuds Kollegen Dr. Breuer behandelt wurde, wird erwähnt, dass sie an einem...

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