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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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„Denkt an die Arbeit der Brüder Grimm“ – Die Jugendbewegung und das Märchen: Malte Lorenzen

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Malte Lorenzen

„Denkt an die Arbeit der Brüder Grimm“ – Die Jugendbewegung und das Märchen

Die bürgerliche deutsche Jugendbewegung glaubte fest an eine ihr zukommende kulturhistorische Mission. Der Zeichner und zeitweilige Herausgeber der auflagenstärksten Wandervogel-Zeitschrift Wilhelm Geißler hielt diesen Anspruch programmatisch fest: „Wer versucht, dem Volke das wiederzubringen, was sein eigen war und notwendigerweise auch sein muß, soll es nicht rückwärtsschreiten, leistet immer kulturfördernde Arbeit“.1 Dass der Wandervogel Kulturförderung in diesem Sinn leiste, dafür sei das Liederbuch Der Zupfgeigenhansl das beste Beispiel, denn, so Geißler weiter, „der ‚Zupf‘ ist die Verkörperung der Arbeit des Wandervogels für eine Neubelebung des deutschen Volksliedes“. Gar „eine neue Blütezeit des Volksliedes“ sah Geißler voller Selbstbewusstsein angebrochen, was angesichts einer sechsstelligen Auflagenhöhe des Zupfgeigenhansl verständlich erscheint.2

Im Zuge ihrer Bemühungen um das Volkslied entdeckte die Jugendbewegung schließlich auch andere Formen von ‚Volkskunst‘ für sich. Zwischen den unterschiedlichen Kunstformen wurde ein Zusammenhang ausgemacht, den eine Autorin der Zeitschrift des Deutsche Mädchen Wanderbund in einer familiäre Verbundenheit suggerierenden Allegorie zum Ausdruck brachte: „Volkslied, Volkstanz, Märchen, Volksseele – wie treue Kameraden, die einander verstehn und ergänzen, wandern die vier Hand in Hand, und die Volksseele ist die Mutter, und Lied, Tanz und Märchen, das sind ihre liebsten Kinder“.3

Die Verbindung von ‚Volkskunst‘ und ‚Volksseele‘ zeigt bereits, dass die Märchenrezeption der Jugendbewegung nicht isoliert betrachtet...

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