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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Antonio Gramsci als Übersetzer Grimm’scher Märchen: Lucia Borghese

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Lucia Borghese

Antonio Gramsci als Übersetzer Grimm’scher Märchen

Antonio Gramsci war im Wesentlichen ein Historiker, der die Notwendigkeit der Identifizierung von Philosophie und Politik behauptete, als er am 8. November 1926 als kommunistischer Parlamentsabgeordneter und Vertreter der ‚Philosophie der Praxis‘ auf Befehl Mussolinis verhaftet wurde – am Vorabend des Tages, an dem im Parlament die Gesetze zur Abschaffung der statutarischen Rechte vorgelegt wurden. Er war aber gleichzeitig auch – was viel weniger bekannt und oft vernachlässigt worden ist – ein Sprachforscher und Kulturhistoriker, seit er an der Turiner Universität sein Studium als komparatistischer Sprachwissenschaftler angefangen hatte und bald mit seinen kritischen Schriften, die oft anonym in den Zeitschriften der traditionellen Arbeiterparteien erschienen, Gehör und wachsende Verantwortlichkeit im internationalen Kontext der Repräsentanten der linken Volksparteien erlangte.

Ein bedeutender Teil des Vermächtnisses Antonio Gramscis (1891–1937) ist weitgehend noch unerforscht. Von seinem Hauptwerk, den Gefängnisheften, in denen er während der Haft seinen komplexen historisch-kritischen Arbeitsplan artikulierte, wurden seine Übersetzungshefte 2007 erstmals veröffentlicht (Quaderni di traduzioni 1929–1932. Hrsg. von G. Cospito und G. Francioni. Roma. Istituto dell’Enciclopedia Italiana). Neben seiner Auseinandersetzung mit den Brennpunkten seines historisch-kritischen Interesses für das 20. Jahrhundert – Beschaffenheit der intellektuellen Gruppierungen, Theorie und Geschichte der Historiographie, Amerikanismus und Fordismus – arbeitete Gramsci im Versteck seiner Übersetzungshefte als komparatistischer Zeichner der Moderne. Zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt, widmete er sich dem Studium der deutschen Sprache. Für ihn reichte es nun nicht mehr aus – wie er...

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