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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Von der „Macht des unermüdlich schaffenden Sprachgeistes“. Jacob Grimm und die Veränderung der Sprache: Walter Haas

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Walter Haas

Von der „Macht des unermüdlich schaffenden Sprachgeistes“1. Jacob Grimm und die Veränderung der Sprache

Nachleben

Die Website der Online-Buchhandlung Amazon bot am 25. Oktober 2012 unter dem Autornamen ‚Jacob Grimm‘ 8.085 Titel an. Bei den meisten handelte es sich um Märchenbücher, für eine Weile übernehmen Nachdrucke sprachwissenschaftlicher, mythologischer und rechtsgeschichtlicher Werke die Führung, die man aber erst für Sie ausdruckt, wenn Sie sich zu einer Bestellung entschließen. So ganz traut man der Aktualität der Titel nicht und kehrt bald wieder zu den Märchen zurück. Das linguistische Werk scheint am Versinken.

Dieser Schluss ist vorschnell. Jacobs Grammatik, auf die ich mich konzentrieren werde, lebt in einem andern Aggregatzustand weiter: Die Märchen entfalten ihre Wirkung als Literatur zum Lesen, Vorlesen und Nacherzählen, das übrige Werk ist in den Wissensbestand der Linguistik übergegangen.

Wer sich mit der Geschichte der germanischen Sprachen beschäftigt, muss wissen, was unter ‚Lautverschiebung‘ verstanden wird, aber nicht, dass das Konzept von Jacob Grimm stammt.2 Und da Grimm über die germanischen Sprachen hinaus vorbildlich gewirkt hat, sind seine Erkenntnisse auch über das Germanische hinaus zu selbstverständlichen Bestandteilen der Wissenschaft geworden. Der Nachteil solcher Selbstverständlichkeit ist, dass die Originalwerke kaum mehr besucht werden3 – wenn dies denn ein Nachteil ist. Jacob Grimm sah es anders: „[W]ir haben unsere kräfte ehrlich angesetzt, dasz unter den nächstfolgenden menschen unser andenken noch unverschollen...

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