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Serbien und das Modernisierungsproblem

Die Entwicklung der Gesundheitspolitik und sozialen Kontrolle bis zum Ersten Weltkrieg

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Indira Durakovic

Die Autorin wurde für diese Arbeit mit dem Andrej-Mitrović -Preis ausgezeichnet.

Als Bestandteil eines Modernisierungsprozesses von Staat und Gesellschaft war die Gesundheitspolitik für den angestrebten wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Fortschritt Serbiens unerlässlich. Im Kontext einer europäischen Sozialgeschichte der Medizin beleuchtet diese Studie die Medikalisierung einer agrarisch und patriarchal geprägten Gesellschaft. Dabei ist die Analyse der medizinischen Sozialdisziplinierung sowie der hygienischen Erziehung zentral. Basierend auf eugenischen, gesundheitspolitischen sowie sanitärhygienischen Maßnahmen galt es eine effektive soziale Kontrolle zu etablieren. Die Diskrepanz zwischen den theoretisch fundierten Interventionen und ihrer Realisierung verdeutlichen medizinische Zeitschriften, Aufklärungsbücher sowie Archivdokumente aus Belgrad und Wien.
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5. Gesundheitsaufklärung

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Der Staat machte sich die Gesundheitserziehung der serbischen Bevölkerung und deren Sensibilisierung für die Prävention und Vermeidung von physischen, aber auch psychischen Krankheiten zur Aufgabe. Die Ärzteschaft war dabei die ausführende Kraft, die nicht nur Krankheiten definierte, sondern auch deren gesellschaftliche Wahrnehmung mitbestimmte. Um die Verordnungen und Normen den Menschen näher bringen zu können, waren die wenigen Ärzte auch auf die Hilfe und Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen. Die Aufklärungskampagnen und die kollektive Erziehung basierten auf den zeitgenössischen wissenschaftlichen Überzeugungen und waren das wichtigste staatliche Instrument zur Verbesserung der Hygienestandards. Welche Strategien der Gesundheitserziehung zugrunde lagen und welche Normen mittels Sanktionen oder aufklärerischen Maßnahmen verfestigt wurden, ist Gegenstand dieses Kapitels. Serbien war stark von der Mitwirkung der Frauen bei der Gesundheitsaufklärung abhängig, weshalb nicht nur geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen, sondern auch deren Instrumentalisierung durch den Staat kritisch beleuchtet werden. Damit einher gehend werden außerdem die ärztlichen Versuche, das Sexualverhalten der Bevölkerung zu lenken, hinterfragt. Im Rahmen der Geburten- und Familienpolitik erfolgten diese Maßnahmen sowohl auf kollektiver als auch individueller Ebene, etwa durch die Regulierung von Abtreibungen. Letztendlich wird der Umgang mit den sozialen Krankheiten Alkoholismus und Tuberkulose erörtert sowie die damit zusammenhängende Isolation und Stigmatisierung der Betroffenen ergründet. ← 273 | 274 →

Die Erziehung der Bevölkerung zur Hygiene und Krankheitsprävention war ein staatliches Unterfangen, das ab der Jahrhundertwende vorangetrieben wurde. Aus zahlreichen Gründen fokussierte sich die serbische Ärzteschaft dabei auf Frauen,...

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