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Serbien und das Modernisierungsproblem

Die Entwicklung der Gesundheitspolitik und sozialen Kontrolle bis zum Ersten Weltkrieg

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Indira Durakovic

Die Autorin wurde für diese Arbeit mit dem Andrej-Mitrović -Preis ausgezeichnet.

Als Bestandteil eines Modernisierungsprozesses von Staat und Gesellschaft war die Gesundheitspolitik für den angestrebten wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Fortschritt Serbiens unerlässlich. Im Kontext einer europäischen Sozialgeschichte der Medizin beleuchtet diese Studie die Medikalisierung einer agrarisch und patriarchal geprägten Gesellschaft. Dabei ist die Analyse der medizinischen Sozialdisziplinierung sowie der hygienischen Erziehung zentral. Basierend auf eugenischen, gesundheitspolitischen sowie sanitärhygienischen Maßnahmen galt es eine effektive soziale Kontrolle zu etablieren. Die Diskrepanz zwischen den theoretisch fundierten Interventionen und ihrer Realisierung verdeutlichen medizinische Zeitschriften, Aufklärungsbücher sowie Archivdokumente aus Belgrad und Wien.
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6. Die Rolle der Ärzteschaft

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Die Gesundheit des gesamten Volkes aufrechtzuerhalten und damit auch ein langes und kräftiges Leben aller Staatsbürger, ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Voraussetzung für allgemeinen Wohlstand im Staat. Daher muss es eine staatliche Aufgabe sein, die Volksgesundheit aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, [was] eine der wichtigsten Pflichten der staatlichen Gesetzgebung und Administration ist. Aber die gesetzgebende Gewalt kann die besten Gesetze vorlegen, die Administration kann die umfangreichsten Verordnungen zur Ausführung dieser anordnen […], und dennoch kann es passieren, dass all diese Arbeit ohne Erfolg bleibt, wenn nicht alle Bürger den staatlichen Organen helfen, das allgemein nützliche Ziel zu erreichen.1062

Die 1879 geäußerte Kritik des Innenministers Radivoje Milojković richtete sich nicht nur gegen die medizinfeindliche Bevölkerung Serbiens, sondern auch gegen jene Ärzte, welche die kompromisslose Zusammenarbeit mit der Sanitätsabteilung verweigerten. Angesichts des starken Fachkräftemangels war der Staat auf das Engagement der Ärzteschaft angewiesen und gewährte dieser nicht nur große Machträume, sondern auch umfassende Tätigkeitsbereiche. Die daraus resultierende Überforderung und Unzufriedenheit der Ärzte verdeutlichte noch stärker den dringenden Bedarf nach mehr Personal. Mit welchen Strategien die Her ← 329 | 330 → ausbildung einer Ärzteschaft gefördert wurde, ist somit Gegenstand des ersten Unterkapitels. In diesem Kontext wird gesondert die Rolle der ausländischen Mediziner hinterfragt, die Serbien insbesondere in Kriegszeiten zu einem Experimentierfeld umfunktionierten. Die dabei konstruierten, vorwiegend pejorativen, Bilder über das Land und dessen Bevölkerung spiegeln sich in ihren Erfahrungsberichten wider, die gleichermaßen analysiert...

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