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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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4. Eine schwierige Genese: Die Einigung der linken Kräfte

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4.1. Erste Schritte

Die Geschehnisse des 6. Februar zeigten Wirkung in mehreren Bereichen. Der Druck „der Straße“ veranlasste Edouard Daladier, seinen Rücktritt zu erklären. Damit gab ein demokratisch legitimierter Regierungschef angesichts des öffentlichen Aufbegehrens auf, eine „Kapitulation“, wie viele es verstanden. Staatspräsident Lebrun beauftragte den Radikalen Gaston Doumergue mit der Bildung einer neuen Regierung der „Union nationale“.

Den linken Parteien hatte das Ausmaß der Ausschreitungen einen Eindruck davon vermittelt, wie nah die Gefahr einer Machtergreifung durch antiparlamentarische Kräfte war und wie ungesichert sich das Regime gegenüber der vereinten Schlagkraft von Rechtsextremen und der Masse der Unzufriedenen ausnahm. Für einige leitende sozialistische Politiker zeichnete sich damit als vordringliche Aufgabe ab, die parlamentarische Demokratie vor dem Zugriff von rechtsextremistischen Akteuren zu schützen und zu diesem Zweck den Versuch zu unternehmen, alle linken Kräfte in eine gemeinsame Aktionsfront einzubinden. Noch am Abend des 6. Februar suchten Marceau Pivert und Jean Zyromsky im Namen der sozialistischen- Bezirksverbände Seine und Seine-et-Oise das Büro der kommunistischen Partei auf, um Gespräche über „die Aktionseinheit der Arbeitnehmer“ zu führen. Da keine Antwort erfolgte, fand sich am folgenden Tag eine Abordnung der SFIO in der Redaktion der Zeitung L’Humanité ein und legte das Angebot für eine gemeinsam durchgeführte Kundgebung für den 8. Februar vor, zu der Léon Blum, der Vorsitzende der Sozialisten plante, „das ganze werktätige Volk einzuladen“. „In aller Dringlichkeit musste man gegenhalten“, erkl...

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