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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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5. Die „Volksfront“

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5.1. Programmdebatte

Nach der eindrucksvollen Veranstaltung des 14. Juli beschloss der Organisationsausschuss des „Rassemblement populaire“ sein eigenes Fortbestehen. Etwa 50 Organisationen bewarben sich um eine Mitgliedschaft im Komitee; es war folglich eine verbreiterte Organisationsform erforderlich. Mit ihr nahm die Vorstufe zur „Volksfront“ Gestalt an.

Von ihrem Ursprung her war die Volksfront nicht eine Koalition von Parteien, wie der linke Block von vor 1914 oder wie das „Cartel de gauche“ von 1924, sondern, als sie schließlich antrat, eine Sammlungsbewegung von 98 Vereinigungen mit politischen und unpolitischen Zielvorstellungen76. Die im linken Lager herrschende Freude über das Zusammenrücken der politischen Gruppen konnte gleichwohl nicht verhehlen, dass etliche der wesentlichen Akteure Bedenken hatten. Der Gedanke an die unterschiedlichen Zielvorstellungen, die Erinnerung an vergangene politische Kämpfe und verbale Angriffe sollten nun hinter einem großen gemeinsamen Ziel zurückstehen, hinter dem Motto „ Brot, Frieden, Freiheit“. Es blieb ein Kaffeesatz an Misstrauen. „Die Radikalen, schrieb viele Jahre später der Parteivorsitzende Edouard Herriot in seinen Erinnerungen, haben Angst vor den Sozialisten, die Angst vor den Kommunisten haben“77.

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