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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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7. Der Handlungsspielraum

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7.1. Die außenpolitische Situation. Bedrohung aus dem Osten

Die Reformkonzeption der Volksfront hatte innenpolitischen Charakter; außenpolitischen Bedingungen trug sie nur insofern Rechnung, als sie die Aufrechterhaltung des äußeren Friedens zu einem ihrer zentralen Anliegen gemacht hatte. Diesen Frieden musste die französische Öffentlichkeit durch die zunehmend aggressive Haltung der deutschen und italienischen Regierungen gefährdet sehen. Die Existenz von nationalistischen Diktaturen an zwei, später an drei der Staatsgrenzen Frankreichs bedeutete eine existenzielle Bedrohung seiner Sicherheit, die – nur 18 Jahre nach dem Krieg von 1914–1918 - in allen Gruppen der Bevölkerung Angst und Schrecken auslöste.

Dieser Krieg, „la Grande Guerre“, hatte in Frankreich einen ungeheuren Aderlass an Menschen, Material und Wirtschaftskraft verursacht, hatte sich der militärische Konflikt doch vier lange Jahre auf dem Boden der am stärksten industrialisierten Gebiete Frankreichs abgespielt. Der Schrecken über das Geschehene, über die Verbissenheit der Kämpfe, die Grauen und Not über die Völker gebracht hatten, ließ die Einsicht entstehen, dass Krieg als Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen ausgedient habe. Umfangreiche Überlegungen über Strategien zur Sicherung des Friedens hatten zur Realisierung eines vielschichtigen Konzepts geführt, mit dem die Franzosen hofften, ihr Land dauerhaft vor der Bedrohung durch die Revanche-Gelüste des östlichen Nachbarn sichern zu können. Dazu gehörten internationale Verflechtungen und Verabredungen, wie der Völkerbund mit dem internationalen Gerichtshof, das Verbot von Angriffskriegen, wie auch die in den Versailler Verträgen niedergelegten Beschränkungen der deutschen...

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