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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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11. Die Volksfront. Versuch einer Einordnung

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In die lange Krise der 30er Jahre zeichnet die Periode der Volksfront eine scharf geschnittene Besonderheit, nämlich den auf demokratischer Basis herbeigeführten Versuch, durch administrative Reformen einen Ausgleich des Wohlstandsgefälles herbei zu führen und die soziale und wirtschaftliche Krise zu meistern. Das auslösende Moment für die Schaffung einer linken Sammlungsbewegung bildeten die Vorgänge des 6. Februar 1934. Der blutige Zusammenstoß zwischen der aufgebrachten Menge und Polizeikräften führte den Akteuren des linken politischen Lagers vor Augen, wie leicht die rechtsextremen Ligen den Unmut der Bevölkerung in ihrem Sinn nutzen konnten. Das Ziel, die Machtergreifung von totalitären Elementen nach dem Beispiel des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus zu verhindern, war vordringliches Motiv zur Zusammenarbeit der Parteien des linken Spektrums.

Innerhalb der folgenden zwei Jahre entstand in schwierigen Geburtswehen eine linke Sammlungsbewegung, das Rassemblement populaire, das, schließlich in den Wahlen von 1936 mit dem Regierungsmandat betraut, daran ging, die bestehenden sozialen Verhältnisse zu ändern. Diese Verhältnisse waren Ergebnis eines lang währenden Mangels an legislativen Maßnahmen, die die Anpassung überkommener Strukturen an die sich verändernde, sich modernisierende Wirklichkeit hätten leisten können. Im Frankreich der 30er Jahre spielte der sozio-ökonomische Faktor des Kleingewerbes nach wie vor eine dominierende Rolle; gleichwohl hatte sich nach dem 1. Weltkrieg das wirtschaftliche Gesicht Frankreichs verändert. Die Bedingungen der industriellen Produktion hatten, unterstützt von der galoppierenden Geldentwertung, die Konzentration der Warenproduktion in Gro...

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