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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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Prolog: Die Initialzündung am 6. Februar 1934

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Am Nachmittag des 6. Februar 1934 drängten sich auf der Pariser Place de la Concorde Tausende von Demonstranten, die sich versammelt hatten, um gegen die neue Regierung Daladier zu protestieren.

Bereits seit Monaten hatte sich in Paris ein Klima der Unruhe breit gemacht. Etliche Tagesblätter ergingen sich in harschen Schuldzuweisungen an die Adresse der politischen Instanzen, die den Folgen der Weltwirtschaftskrise, der wachsenden Zahl von Firmenzusammenbrüchen, der Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Verschärfung der sozialen Gegensätze hilflos gegenüber standen. Zudem hatten Korruptionsfälle das Ansehen von Parlament und Regierung beschädigt und in großen Teilen der Bevölkerung das Gefühl ausgelöst, die politische Klasse bereichere sich auf ihre Kosten. Die latente Unzufriedenheit wurde geschürt durch die Vorgänge in Deutschland, wo vor Jahresfrist Hitler die Macht ergriffen hatte und das autoritäre nationalsozialistische Regime seitdem Rezepte gegen das wirtschaftliche Malaise zu finden schien. Viele Franzosen schlossen aus diesem Vergleich auf die Schwäche und Unfähigkeit der parlamentarischen Demokratie in Frankreich und riefen nach „Peitschen und Stöcken um diese Kammer von Unfähigen auszukehren“8.

Das Kabinett des Ministerpräsidenten Camille Chautemps hatte sich im Januar dem Druck der Straße gebeugt und seine Ämter niedergelegt; nun sollte am 6. Februar die neue Regierung unter Edouard Daladier von der Deputiertenkammer, die im Palais Bourbon tagte, im Amt bestätigt werden.

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