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Bürgerliche Familienfeste im Wandel

Spielarten privater Festkultur in Weimar und Jena um 1800

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Susan Baumert

Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung. Zudem bringen sie die soziale Identität der Feiernden und deren individuelle Emotionen zum Ausdruck. Aber wie formiert sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein neues Verständnis des Festlichen? Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang das erstarkende Bürgertum? Und wie gestaltet sich diese Transformation in einem dichten Ereignisraum wie Weimar-Jena? Die Autorin gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen des Festlichen. Im Mittelpunkt steht dabei der private Raum der bürgerlichen Familie. Anhand zahlreicher bisher noch nicht berücksichtigter Quellen stellt sie die Feste des Lebens- beziehungsweise Jahreslaufes dar. Dabei zeigt gerade der Wandel des Festlichen das erstarkende Selbstverständnis des Bürgertums.
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Zusammenfassung

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Zeitspezifische Qualitäten der bürgerlichen Familien Weimars und Jenas um 1800 konnten im Zuge der festbeschreibenden Untersuchungen herauskristallisiert werden. Der entwicklungsfähige Typus der bürgerlichen Gesellschaft, der „seit der Mitte des 18. Jahrhunderts politisch, sozial und nicht zuletzt kulturell dynamisiert“ wurde, offenbarte sich in den mannigfaltigen Spielarten der privaten Festkultur:1057

Familienfeste des erstarkten Bürgertums waren gekennzeichnet durch entsprechende Zeichen, Symbole, Rituale und Traditionen, die um 1800 in zunehmendem Maße private Formen des Feierns in den Mittelpunkt rücken ließen. Die Auflösung des kulturellen Imperativs der ehemals rein kirchlich geprägten Festkultur korrespondierte mit dem Erringen von Freiheiten des bürgerlichen Individuums, welche durch die Aufklärung und die neuzeitliche Herausbildung des modernen Staates entschieden vorangetrieben wurden. Traditionelle Festelemente und Rituale unterlagen einer kulturellen Transformation, durch die die Formen und Inhalte dieser herausgehobenen Zeiten innovativen Akzentsetzungen ausgesetzt waren. Die bürgerlichen Familienfeste erscheinen in diesem Zusammenhang immer wieder als Säkularisierung: Was religiös gebunden war, wurde frei oder politisch. Faktisch vorhandene, unterschiedliche Interessen von Seiten der kirchlichen und staatlichen Institutionen standen den individuellen Ritualpraktiken der bürgerlichen Festkultur häufig konträr gegenüber.

Das Bürgertum löste sich nach den gesamtgesellschaftlichen Umbrüchen aus bisherigen Ordnungen, orientierte sich an neuen Zusammenhängen und trat in neue Beziehungen, die nicht mehr durch ihre Zugehörigkeit zu ihren alten Ordnungen bestimmt war. Innerhalb dieses Vorganges entstanden neue Verhaltensweisen, Einstellungen, Werte und Grundsätze, die sich u. a....

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