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Das nachklassische Drama im Lichte Schopenhauers

Eine Interpretationsreihe- Schiller: "Die Jungfrau von Orléans</I>, Hebbel: "Judith</I>, Grabbe: "Hannibal</I>, Büchner: "Dantons Tod</I>

Dirk Haferkamp

Die Arbeit wirft ein neues Licht auf prominente Dramen aus Biedermeier und Vormärz. Ausgehend von Schillers Jungfrau von Orléans werden Dramen von Hebbel, Grabbe und Büchner auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung untersucht. Dabei wird deutlich, dass die genannten Autoren in ihren Dramen Handlungsstrukturen entwerfen, die der Philosophie Schopenhauers sehr verwandt sind. So entsteht in der Gattung Drama ein pessimistisches Weltbild, das bis in Wortentsprechungen hinein der Weltdeutung Schopenhauers gleicht – und dies, ohne dass eine positive Rezeption der Philosophie Schopenhauers durch die Autoren nachweisbar wäre.
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Hebbel: „Judith“

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Zur Einführung in das Hebbelsche Denken

Bei Schiller ist die Form Ausdruck der Idee, die ein humanes, auf ein freiheitliches Sein verweisendes Menschenbild birgt. Die Idee ist göttlicher Natur. Über das Erhabene kann der Mensch daran teilhaftig werden: „Es ist also keine materiale und bloß einen einzelnen Fall betreffende, sondern ← 87 | 88 → eine idealische und über alle möglichen Fälle sich erstreckende Sicherheit, deren wir uns bei Vorstellung des Erhabenen bewußt werden.“ (Vom Erhabenen, SA 12, S. 309). Auch in Hebbels Denken spielt die „Idee“ (VWMM, S. 41) eine zentrale Rolle.47 Sie ist „sittliche[s] Centrum“ (ebd., S. 40), um das sich die „Charaktere“ (MWD, S. 33) „planetarisch herum bewegen […]“ (ebd.). Die Hebbelsche Idee kann aufgrund ihrer irrationalen Grundlage als Kontrafaktur zur Idee Schillers bezeichnet werden.

Das Drama soll nach Hebbel „zwischen der Idee und dem Welt~ und Menschen~Zustand vermitteln […]“ (VWMM, S. 57). Dies ist nicht im Sinne Schillers, also wirkungsästhetisch zu verstehen, sondern vom Standpunkt eines naturbedingten Immanenzdenkens aus. Sowohl „Idee“ als auch „Welt- und Menschenzustand“ sind von der „Chiffre der Natur“ (ebd., S. 56) geprägt. Diese Chiffre hat Auswirkungen auf das Drama. Denn das Drama, im Besonderen die Tragödie, ist mit dem „Lebensprocess“ (ebd.) unauflöslich verbunden; sie soll die „weltgeschichtliche Aufgabe selbst lösen helfen […]“ (ebd., S. 57). Es gibt in dieser Auffassung keine zwischen der Kunstebene und der Wirklichkeit Distanz schaffende Kategorie des Scheins mehr wie bei Schiller. Drama und Leben, Idee...

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