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Das nachklassische Drama im Lichte Schopenhauers

Eine Interpretationsreihe- Schiller: "Die Jungfrau von Orléans</I>, Hebbel: "Judith</I>, Grabbe: "Hannibal</I>, Büchner: "Dantons Tod</I>

Dirk Haferkamp

Die Arbeit wirft ein neues Licht auf prominente Dramen aus Biedermeier und Vormärz. Ausgehend von Schillers Jungfrau von Orléans werden Dramen von Hebbel, Grabbe und Büchner auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung untersucht. Dabei wird deutlich, dass die genannten Autoren in ihren Dramen Handlungsstrukturen entwerfen, die der Philosophie Schopenhauers sehr verwandt sind. So entsteht in der Gattung Drama ein pessimistisches Weltbild, das bis in Wortentsprechungen hinein der Weltdeutung Schopenhauers gleicht – und dies, ohne dass eine positive Rezeption der Philosophie Schopenhauers durch die Autoren nachweisbar wäre.
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Büchner: „Dantons Tod“

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Büchner : „Dantons Tod“

Zur Einführung

Bei Büchner sind einige Parallelen zu Schopenhauer festgestellt worden. Wittkowski beschäftigt sich intensiv mit Schopenhauer, insbesondere im Aufsatz von 1976: „Georg Büchner, die Philosophen und der Pietismus“. Ähnlich wie für Hebbel gelte auch für Büchner, dass er nicht als „Originalgenie“ (352) nur aus sich selbst heraus seine Werke geschaffen habe, sondern durchaus von philosophischen Strömungen beeinflusst gewesen ← 211 | 212 → sein müsse, auch wenn er dies aus literaturtaktischen Gründen in Briefen nicht erwähne. Namentlich seien Feuerbach, Fichte und Schopenhauer die wichtigsten dieser philosophischen Quellen.

Von Schopenhauer lerne Büchner die Betrachtung des Hässlichen, vor allem aber das „Emanationsweltbild“ (416), die Auffassung, dass alle Phänomene der Welt aus einem Ursprung kommen: „Das Emanationsweltbild und der verborgene Gott des Skandalons, beide vermittelt durch den Pietismus, vervollständigen den Rahmen dieses neuen Büchnerbildes“ (ebd.). Obwohl Wittkowski seine Darstellung mit einem Zitat aus § 66 von „Wille und Vorstellung“ enden lässt, in dem Schopenhauer den selbstverantworteten ethischen Wert des menschlichen Lebens hervorhebt, ist die Abhandlung darauf ausgerichtet, Büchners Gott-Denken zu veranschaulichen. Büchner erblicke „die Offenbarung Gottes - freilich die Offenbarung eines Gottes, der sich verbirgt, der Ärgernis nimmt und gibt, der Strafe und Leid verhängt über die Menschen, deren Natur er doch selber sündhaft und leidfeindlich schuf.“ (415). Im Hintergrund wird das Denken Nicolai Hartmanns erkennbar, das Wittkowski seit seiner Dissertation über...

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