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Das nachklassische Drama im Lichte Schopenhauers

Eine Interpretationsreihe- Schiller: "Die Jungfrau von Orléans</I>, Hebbel: "Judith</I>, Grabbe: "Hannibal</I>, Büchner: "Dantons Tod</I>

Dirk Haferkamp

Die Arbeit wirft ein neues Licht auf prominente Dramen aus Biedermeier und Vormärz. Ausgehend von Schillers Jungfrau von Orléans werden Dramen von Hebbel, Grabbe und Büchner auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung untersucht. Dabei wird deutlich, dass die genannten Autoren in ihren Dramen Handlungsstrukturen entwerfen, die der Philosophie Schopenhauers sehr verwandt sind. So entsteht in der Gattung Drama ein pessimistisches Weltbild, das bis in Wortentsprechungen hinein der Weltdeutung Schopenhauers gleicht – und dies, ohne dass eine positive Rezeption der Philosophie Schopenhauers durch die Autoren nachweisbar wäre.
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Einleitung

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Die Dissertation untersucht Dramen aus der Zeit des Biedermeier und des Vormärz auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung. Die Interpretationen zeigen den Geist Schopenhauers, den „Schleier des Truges“1 zu heben, bereits bei Grabbe („Hannibal“), Büchner („Dantons Tod“) und Hebbel („Judith“) wirksam, obwohl Schopenhauers Philosophie im Wesentlichen erst nach 1848 ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist. Dieser „Schleier des Truges“ ist nach Schopenhauer ein Wahn, dem der Handelnde unterliegt, eine Schimäre, vom Willen des Einzelnen erzeugt, welche eine Realität vorgaukelt, die so nicht existiert. Erst nachdem die Tat vollzogen ist, bemerkt der Täter seine Täuschung durch den Willen und findet Einsicht in die eigentlichen Beweggründe des Handelns. Die Arbeit ordnet sich zu Beginn mit Schillers „Jungfrau von Orléans“ in einen Orientierungshorizont ein, der über Hebbels „Judith“ hinaus eine grundsätzliche geschichtliche Beurteilung des Verhältnisses von klassischem und nachklassischem Drama ermöglicht. Sie geht dabei auch über die Einzelinterpretationen der genannten Autoren hinaus und gibt epochentypische Grundzüge der Gattung zu erkennen.

Damit eröffnen sich Möglichkeiten, die gängige Weltschmerz-Sicht, wie sie beispielsweise von Sengle in seiner großen Darstellung vertreten wird (Sengle „Biedermeierzeit“, Stuttgart 1973–1980), um eine andere Perspektive zu ergänzen. Die Dissertation versteht sich nicht als Beitrag zur Einflussforschung, will keine positive Rezeption Schopenhauers durch die Autoren nachweisen. Vielmehr geht es darum, Analogien zwischen Drama und Philosophie aufzuzeigen, die sich in gleichgearteten Mustern der Einbildungskraft offenbaren und damit auf eine Gleichheit tragischen...

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