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Das nachklassische Drama im Lichte Schopenhauers

Eine Interpretationsreihe- Schiller: "Die Jungfrau von Orléans</I>, Hebbel: "Judith</I>, Grabbe: "Hannibal</I>, Büchner: "Dantons Tod</I>

Dirk Haferkamp

Die Arbeit wirft ein neues Licht auf prominente Dramen aus Biedermeier und Vormärz. Ausgehend von Schillers Jungfrau von Orléans werden Dramen von Hebbel, Grabbe und Büchner auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung untersucht. Dabei wird deutlich, dass die genannten Autoren in ihren Dramen Handlungsstrukturen entwerfen, die der Philosophie Schopenhauers sehr verwandt sind. So entsteht in der Gattung Drama ein pessimistisches Weltbild, das bis in Wortentsprechungen hinein der Weltdeutung Schopenhauers gleicht – und dies, ohne dass eine positive Rezeption der Philosophie Schopenhauers durch die Autoren nachweisbar wäre.
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Fazit

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Im Denken Schillers stehen Form und Geist über der Natur. Auch den Willen versteht Schiller geistig. Vor diesem Hintergrund ist Johannas Weg in der Tragödie „Die Jungfrau von Orléans“ zu begreifen. Zunächst ein Instrument des Himmels, kann sie schließlich doch den anthropologischen Dualismus von Pflicht und Neigung überwinden und nun ganz aus sich in die göttliche Sendung zurückfinden. Die Symbolhaftigkeit und die Bedeutsamkeit der Form entpsychologisieren die Tragödie. Johanna ist ganz als „figura“ (Greiner 2005, S. 67) zu verstehen, welche die Idee der Freiheit vermitteln soll. Während bei Hebbel die Handlung von Immanenz geprägt ist, führt Schiller seine Heldin aus dem Leid heraus in die transzendierende Apotheose. Trotz der Verklärung der Heldin wird auch ein pessimistischer Blick Schillers auf die Geschichte deutlich. Denn die Tragödie zeigt: nur ein Wunder kann den Ausgleich zwischen der gottgleichen ideellen Ebene und subjektiven Interessen bewirken.

In der „Jungfrau“ hat die Entpsychologisierung der Tragödie schon vor Beginn der Handlung stattgefunden. Johanna führt den Ursprung ihrer Sendung über die erinnernde Erzählung im Prolog ein. Da Hebbel eine Kontrafaktur zur Schillerschen Tragödie schreibt, legt er den Ursprung von Judiths Sendungswahn in die auf der Bühne sichtbare Handlungszeit, um ganz deutlich zu machen, dass die Handlungen der Heldin rein subjektiven Ursprungs sind. Bei Judith wie bei ihrem Widerpart, dem Assyrer Holofernes, liegen sämtliche Aktionen in einem Willen im Sinne Schopenhauers, der ihre Vorstellung determiniert. Dies ist...

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