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Die geschenkte Reformation

Bücher als Geschenke im England des 16. Jahrhunderts

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Tobias Budke

Tobias Budke befasst sich mit Büchern als Geschenken vor dem Hintergrund der englischen Reformation. Deren stürmische Entwicklungen und oft unvorhersehbare Wendungen schlugen sich in faszinierender Weise in den Buchgeschenken der Zeit nieder. Heinrich VIII., Edward Seymour, Thomas Cranmer oder John Dee – sie alle machten und/oder erhielten Buchgeschenke, und sie waren in bester Gesellschaft. In einer Vielzahl von Fallstudien beschreibt der Autor die komplexen Beziehungen zwischen Schenkern, Empfängern und anderen Beteiligten. Außerdem zeigt er die zahlreichen Facetten und Funktionen dieser Geschenkpraxis auf: das Buch als ganz besonderes Geschenk.
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2. Schenken und Geschenke: Allgemeine Überlegungen

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Eine der Thesen dieser Arbeit lautet, dass das Buch als Geschenk besondere Aspekte hat, die von keinem anderen Geschenktyp geteilt werden, aber diese Besonderheit lässt sich nur vor dem Hintergrund einiger allgemeiner Überlegungen zum Schenken und im Vergleich mit anderen Geschenktypen demonstrieren. Dabei sollen zunächst einige moderne theoretische Ansätze vorgestellt und das Buchgeschenk innerhalb dieses Rahmens positioniert werden, bevor dann in der zweiten Hälfte dieses Kapitels der zeitgenössische Geschenkdiskurs zu Wort kommen soll, der dem geistesgeschichtlichen Hintergrund der Buchschenker des 16. Jahrhunderts zu Grunde lag.

Zunächst muss festgehalten werden, dass es keine wie immer geartete umfassende Geschenktheorie gibt59, sondern dass die Überlegungen, die die Forschung zum Schenken angestellt hat, verschiedenste Disziplinen beinhalten und eine große Bandbreite an Ansätzen präsentieren, die jedoch für die Behandlung des Buchgeschenks nicht alle gleichermaßen relevant sind. So ist zum Beispiel Marcel Mauss’ bereits in der Einleitung erwähnter ethnologischer Klassiker Die Gabe nur auf einer sehr allgemeinen Ebene von Interesse, und Selbiges gilt für die soziologischen Betrachtungen Pierre Bourdieus60 oder die philosophischen Reflexionen von Jacques Derrida61. Die von Lewis Hyde62 und Fabian Vogt63 ← 31 | 32 → verfassten Werke zu Schenken und Geschenk sind nur sehr begrenzt theoretisch-wissenschaftlicher Art, während Abhandlungen wie Helmut Berkings Schenken und Friedrich Rosts Theorien des Schenkens64 aufschlussreich und verdienstvoll, aber für eine Diskussion der konkreten Buchgeschenkpraxis des 16. Jahrhunderts zu abstrakt-allgemein gehalten sind, um einen klar anwendbaren theoretischen Rahmen abzugeben. Berkings Auflistung von Geschenkfunktionen...

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