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Die geschenkte Reformation

Bücher als Geschenke im England des 16. Jahrhunderts

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Tobias Budke

Tobias Budke befasst sich mit Büchern als Geschenken vor dem Hintergrund der englischen Reformation. Deren stürmische Entwicklungen und oft unvorhersehbare Wendungen schlugen sich in faszinierender Weise in den Buchgeschenken der Zeit nieder. Heinrich VIII., Edward Seymour, Thomas Cranmer oder John Dee – sie alle machten und/oder erhielten Buchgeschenke, und sie waren in bester Gesellschaft. In einer Vielzahl von Fallstudien beschreibt der Autor die komplexen Beziehungen zwischen Schenkern, Empfängern und anderen Beteiligten. Außerdem zeigt er die zahlreichen Facetten und Funktionen dieser Geschenkpraxis auf: das Buch als ganz besonderes Geschenk.
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3. Das Buch als Geschenk im 16. Jahrhundert

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Das Buch als Geschenk spielt in der klassischen anthropologisch geprägten Geschenkforschung keine Rolle, da die Herstellung von Büchern auf kulturellen und technologischen Errungenschaften beruht, die in einer Stammesgesellschaft nicht existieren. Konsequenterweise ist die Übertragung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse bezüglich Geschenktheorie und –praxis ein riskantes Unternehmen, da die Frage gestellt werden muss, ob und inwieweit eine in einer Gesellschaft vorhandene Lese- und Buchkultur auch die Wahrnehmung und Praxis des Schenkens transformieren kann – mit anderen Worten: Nimmt das Buch als Geschenk eine Sonderstellung ein oder lassen sich die bereits beschriebenen Geschenkfunktionen und –charakteristika vollständig oder mit nur wenigen Einschränkungen im Detail verwenden?

In den antiken Schriftkulturen scheinen Bücher als Geschenke keine herausgehobene Rolle gespielt zu haben. Die Geschenke, die sich homerische Helden machten, waren Waffen, Pferde, Wagen, Sklavinnen, Goldgegenstände und Gewänder; Bücher spielten bei ihnen keine Rolle. Unter den in der Bibel erwähnten Geschenken befinden sich keine Bücher. Im antiken Rom wurden Buchgeschenke gemacht, wie man etwa aus den Disticha Martials weiß196; Cicero beschrieb sein Von den Pflichten explizit als Geschenk an seinen Sohn Marcus197. Seneca wies jedoch darauf hin, dass Bücher nicht für jedermann als Geschenke geeignet seien198, sondern entsprechende intellektuelle Fähigkeiten voraussetzten, so dass Buchgeschenke im alten Rom vergleichsweise selten gewesen sein dürften. Die mittelalterlich ausgerichtete Geschenkforschung schließt Bücher selbstverständlich ein, misst ihnen aber meist keinen besonderen Status bei199, auch bedingt durch den Umstand, dass...

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