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Die geschenkte Reformation

Bücher als Geschenke im England des 16. Jahrhunderts

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Tobias Budke

Tobias Budke befasst sich mit Büchern als Geschenken vor dem Hintergrund der englischen Reformation. Deren stürmische Entwicklungen und oft unvorhersehbare Wendungen schlugen sich in faszinierender Weise in den Buchgeschenken der Zeit nieder. Heinrich VIII., Edward Seymour, Thomas Cranmer oder John Dee – sie alle machten und/oder erhielten Buchgeschenke, und sie waren in bester Gesellschaft. In einer Vielzahl von Fallstudien beschreibt der Autor die komplexen Beziehungen zwischen Schenkern, Empfängern und anderen Beteiligten. Außerdem zeigt er die zahlreichen Facetten und Funktionen dieser Geschenkpraxis auf: das Buch als ganz besonderes Geschenk.
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5. Fallstudien zu Buchgeschenken im religiösen Kontext

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Religiöse Werke haben im christlichen Abendland immer einen großen Teil aller Buchgeschenke ausgemacht, und viele sorgfältig erforschte mittelalterliche Manuskripte kamen als Geschenke zu ihrem Besitzer oder ihrer Besitzerin. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks erweiterte sich das Potenzial für religiöse und andere Buchgeschenke jedoch erheblich, da nicht nur die Bücher selber billiger wurden und in wesentlich größeren Mengen im Umlauf waren, sondern sich mit der Zueignung den an der Herstellung des Buches Beteiligten eine Plattform bot, ein geistiges Buchgeschenk zu machen, oft mit der Hoffnung auf zukünftige Patronage, aber häufig auch mit dem Wunsch, den Empfänger zur eigenen religiösen Haltung zu bekehren. Im England der Reformationszeit kann man hierbei drei Typen von Buchgeschenken unterscheiden: als erstes das Manuskript, ein Einzelstück, das dem Empfänger in materieller Form zugestellt wurde; dann das gedruckte Buch, das der Empfänger ebenfalls in materieller Form erhielt, das aber gleichzeitig veröffentlicht wurde. Diese beiden Typen verbanden das materielle Geschenk mit der Widmung beziehungsweise Zueignung, die nicht fehlen durfte und gelegentlich rhetorisch sehr anspruchsvoll formuliert wurde. Der dritte Typ ist das gedruckte Buch, das zwar einem Empfänger zugeeignet war, diesem aber nicht tatsächlich gesandt wurde beziehungsweise von dem der Empfänger erst viel später oder gar nicht erfuhr. Häufig bemühte sich der Buchschenker darum, die Zustimmung des Empfängers einzuholen, bevor er ihm ein Buch schenkte oder zueignete556, aber Zueignungen wurden auch auf der Basis einer sehr...

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