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Die geschenkte Reformation

Bücher als Geschenke im England des 16. Jahrhunderts

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Tobias Budke

Tobias Budke befasst sich mit Büchern als Geschenken vor dem Hintergrund der englischen Reformation. Deren stürmische Entwicklungen und oft unvorhersehbare Wendungen schlugen sich in faszinierender Weise in den Buchgeschenken der Zeit nieder. Heinrich VIII., Edward Seymour, Thomas Cranmer oder John Dee – sie alle machten und/oder erhielten Buchgeschenke, und sie waren in bester Gesellschaft. In einer Vielzahl von Fallstudien beschreibt der Autor die komplexen Beziehungen zwischen Schenkern, Empfängern und anderen Beteiligten. Außerdem zeigt er die zahlreichen Facetten und Funktionen dieser Geschenkpraxis auf: das Buch als ganz besonderes Geschenk.
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5.2.6 Maria Tudor: Prinzessin und Königin

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Aus mehreren nachvollziehbaren Gründen ist Maria Tudor in der Buchgeschenkforschung bislang wenig berücksichtigt worden. Anders als ihre Halbschwester Elisabeth oder ihr Vater Heinrich zeigte sie wenig Neigung zu Lektüre und Gelehrsamkeit1067, und ihre kurze Regierungszeit gab ihr nicht viele Gelegenheiten, als Königin Buchgeschenke zu empfangen; zwar hatte auch Eduard nur für einen ähnlich kurzen Zeitraum geherrscht, aber die besonderen Umstände der Eduardschen Reformation sowie der große Einfluss des reformatorisch gesinnten Privy Councils zwischen 1547 und 1553 machten ihn und seine Berater zu sehr attraktiven Zielen für Buchgeschenke und folglich auch zu interessanten Objekten der ← 243 | 244 → Forschung. Marias weitbekannte katholische Überzeugung, die sie auch angesichts massiven Drucks seitens ihres Vaters vertrat, machte sie als Ziel für reformatorisch gesinnte Buchschenker uninteressant; anders als Stephen Gardiner gab Maria niemals irgendwelche Signale, sie könne einigen reformatorischen Ideen nahe stehen. Des weiteren erschwerte Maria ihre Kurzsichtigkeit in Verbindung mit dem Unwillen, Augengläser zu tragen, das Lesen;1068 wenn es ihr mehr bedeutet hätte, hätte sie diese Gläser vermutlich öfter getragen. Wenn sie Bücher las, scheint es sich eher um nicht-religiöse Werke gehandelt zu haben,1069 obgleich sich in ihrer Bibliothek mehrere religiöse Werke befanden, die offenbar auch von ihr gelesen wurden1070. Andererseits war sie immer noch das älteste Kind des Königs und somit zumindest eine potenzielle Adressatin indirekter Buchgeschenke an Heinrich VIII. bis zu seinem Tode; als Königin schließlich konnte sie damit...

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