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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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I. Die Politisierung der französischen Revolutionsoper und die Entstehung der Grand opéra

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Die französische Revolutionsoper und die Entstehung der Grand opéra

Wahrnehmung und Erfahrung der Französischen Revolution

Als einschneidender, wirkungsreicher geschichtlicher historischer Vorgang an der Schwelle zur Moderne, der sich in einer immer noch nicht ganz ausgewerteten Masse verschiedenster Quellen niedergeschlagen hat, ist und bleibt die Französische Revolution nicht nur das meistdiskutierte Problem der Geschichtswissenschaft, sondern, und überwiegend als Gegenstand interdisziplinärer Studien, überhaupt eines der beliebtesten Forschungsgebiete der Geisteswissenschaft.

Ist die Diskussion über den Zäsurcharakter der Französischen Revolution für Frankreich und darüber hinaus für ganz Europa heute ein Konzept, das im politischen Denken des 19. und des 20. Jahrhunderts bei den politisch Linken wie bei den Rechten eine kaum zu unterschätzende Schlüsselrolle gespielt hat, relativiert durch die neuerdings aufgetretene Beachtung auch der Kontinuitäten9 in der sozial-, wirtschafts- und bevölkerungsgeschichtlichen Entwicklung vom frühen 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, erweist sich diese Interpretation als weniger spektakulär, als sie zuerst anmutet. Denn auch wenn »die konsequente Anwendung der Prämissen einer histoire de longue durée auf eine Epoche, deren außerordentliche Ereignisdichte bis dahin einen methodischen Vorbehalt zugunsten der Ereignisgeschichte zu rechtfertigen schien«10, irreführende Eindrücke erweckt, ist letztlich der Zäsurcharakter der Französischen Revolution trotz aller Relativierung nicht zu widerlegen. Und obschon die mitreissende Faszination, die von der Französischen Revolution ausgegangen ist und noch ausgeht, gleichsam in sich die Gefahr birgt, die...

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