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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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3. »Oui, tous!«: Die kollektive Schwurszene

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»Oui, tous!«: Die kollektive Schwurszene

Die Idee der Kollektivität im Parlamentarismus der Französischen Revolution

Die Französische Revolution wurde getragen von einer bis dahin unbekannten Verdichtung, Intensivierung, Politisierung und Demokratisierung sozialer Vergemeinschaftungsprozesse, die das Bewußtsein der Beteiligten naturgemäß entscheidend mitprägten. Es besteht einerseits der Vorsatz für ein gemeinschaftliches Handeln des »souveränen Volkes«, das gekennzeichnet ist vom Ideal sozialer Harmonie und Solidarität und der Selbstvergewisserung durch kollektive Symbolhandlungen (feierliches offenes Abstimmen, Gesänge, Fêtes Révolutionnaires) und vom Drang zur direkten politischen Aktion (Petitionen, Aufrufe, Demonstrationen usw.). Die selbstproklamierte Nationalversammlung andererseits war zu verstehen als eine elitäre Soziabilität der überparteilichen, parlamentarischen Realisierung kollektiver Einmütigkeit kraft Bildung und Vernunft der frei und allgemein gewählten Volksvertreter. Neu war dabei nicht das damit verbundene Konzept der Nationalrepräsentation an sich (dieses war vielmehr im Ancien Régime vom König als Repräsentanten des Gemeinwohls praktiziert und theoretisch von verschiedenen Gelehrten126 analysiert worden), sondern die Tatsache, daß die herkömmlicherweise an eine Interessenvertretung gebundenen Abgeordneten es sich aneigneten und den König aus seiner traditionellen Funktion verdrängten. Es versteht sich von selbst, daß sich dieser Wechsel nicht so schlagartig vollzog, wie durch die Rezeption des Revolutionsmythos dargestellt. Der 17. Juni 1789 bildete vielmehr den Endpunkt und die Bestätigung der schwindenden Geltung der ständischen Repräsentation zugunsten der anwachsenden kollektiven Nationalrepräsentation, deren gleichheitliche Grundsätze und Verfahrensweisen von den Akademien über die...

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