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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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4. »Et tout s’écrase dans le feu«: Die Katastrophenszene

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»Et tout s’écrase dans le feu«: Die Katastrophenszene

Es dürfte keineswegs überraschen, daß die Oper der Revolutionszeit ein besonderes Interesse für das spektakuläre Element und für umfangreiche Inszenierungen pflegte. Allein die Bezeichnung Belagerungsoper läßt das Ausmaß der Bedeutung, die das Deskriptive in der Darstellung des Sujets einnahm, ahnen. In Kapitel 2 des vorliegenden Buchs wurde bereits über die inszenatorisch betonte, festgelegte Akteinteilung der Belagerungsoper in einem I. Akt, der im Tageslicht abläuft; einem II. Akt, der in der Dunkelheit verschiedene Kriegsmanöver seitens beider gegnerischer Armeen präsentiert, die später in eine Schlacht kulminieren; und einem III. Akt, der die finale große Schlacht und Befreiung der belagerten Stadt in Szene setzt. Die zentrale großangelegte Kampfszene, die in der Regel die Belagerungsoper mit der Befreiung der belagerten Stadt abschließt, ist gleichermaßen Kernpunkt des Genres wie die oben besprochene revolutionäre Schwurszene. Die ausgesprochene Polarität dieser genrekonstituierenden Kategorien, mit der ausgeprägt musikalisch entwickelten, dramaturgisch eingefrorenen Schwurszene gegenüber einer hauptsächlich inszenatorisch und aktionsbedingt konzipierten Katastrophenszene, in der die Musik von sekundärer Bedeutung bleibt, erscheint bereichernd für das Genre.

Von besonderem Interesse scheint dennoch die Tatsache, daß die zentrale großangelegte Kampfszene zugleich ausgeprägte Elemente einer Katastrophenszene in sich birgt, und neben ihrer zelebratorischen, propagandistischen Intention quasi unbewußt eine Rezeption des Schockereignisses der Revolution abgibt. Dieses Element wurde später in der französischen Oper Rossinis und...

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