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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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5. Expeditionsoper

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Expeditionsoper

Die historisch-politisch enge Verbindung der Revolutionszeit mit der Napoleonischen Ära ist auch in der zeitgenössischen Opernproduktion abzulesen. Die während der Revolutionszeit erlebten Eindrücke, die auch im zeitgenössischen Genre der revolutionären Belagerungsoper aufgenommen wurden, waren nicht so einfach aus dem Bewußtsein der Zeitgenossen auszulöschen und die Beschäftigung, ja die Obsession mit militärischen Sujets auf der Opernbühne war in der Napoleonischen Zeit erhalten geblieben, wenn nicht intensiver geworden178. Sämtliche Belagerungsopern wurden bis 1796 noch regelmäßig in der Opéra aufgeführt. Méhuls Le Pont de Lodi, die als einzige eine authentische Belagerungsoper zur Zeit Napoleons bildet (selbstverständlich ohne einen Auftritt Bonapartes selbst auf der Opernbühne), erlebte ihre Uraufführung erst 1797 im Théâtre Feydeau. Zwei der erfolgreichsten Belagerungsopern, Lemoynes Miltiade à Marathon und Méhuls Horatius Coclès wurden ebenfalls während des Directoire weiter aufgeführt179.

Die Kontinuität des Genres von der Revolutionszeit in die Napoleonische Ära ist auch in Méhuls Adrien zu identifizieren. Diese Oper war bereits während der Revolutionszeit entstanden und hätte am 6. März 1792 in der Opéra uraufgeführt werden sollen, wurde dennoch als politisch suspekt erscheinendes, imperiales180 Werk aufgegeben, da aus einem Metastasianischen Libretto stammend und die kaiserliche clemenza verherrlichend181 als versteckte Anspielung auf den feindlichen österreichischen Hof verstanden wurde. Dies sah der Kritiker in Annales Patriotiques182:

Il faut espérer que les spectateurs ne...

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