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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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11. Historie als Privatkonflikt: Le Prophète

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Historie als Privatkonflikt: Le Prophète

Die in ihrer musikalischen Dramaturgie Affinitäten zur revolutionären politisierenden Belagerungsoper der französischen Revolution aufweisende Großszene der »Prêche Anabaptiste« sowie die das Genre Grand opéra ausschlaggebend definierende Krönungsszene aus Meyerbeers Le Prophète sind bereits an einer früheren Stelle507 des vorliegenden Buchs besprochen worden. Das vorliegende Kapitel möchte die Untersuchung weiterführen und sich weiterer Aspekte der Dramaturgie von Le Prophète widmen.

Die Affinität von Le Prophète mit der politisierenden Belagerungsoper der Französischen Revolution läßt sich in Szenen wie die (bereits besprochene) »Prêche Anabaptiste« und die Szene des Sonnenaufgangs während der Belagerung von Münster identifizieren. Allerdings hat die atypische, ideelle und politisierende Dramaturgie von Le Prophète zu ähnlichen problematischen Uneinheitlichkeiten geführt wie in Rossinis Guillaume Tell508. Obwohl der soziale Aufstand der Bauer in Le Prophète im starken Gegensatz zum schweizerischen Aufstand in Guillaume Tell, der aus rein politischen Gründen entstanden war, vom ersten Moment der Oper in engster Verbindung mit dem Privatkonflikt der vom Feudalherrscher Oberthal nicht zugestandenen Eheschließung Berthes mit dem Protagonisten der Oper Jean präsentiert wird509, kommt es nach wie vor dazu, daß die Werkdramaturgie von Le Prophète in Konflikt mit den Erfordernissen der Gattung Oper gerät, deren Konzentration auf die Solisten und auf die sentimentale Intrige zwischen Tenor und Sopran immer konstitutiv und unverzichtbar war. Da die Intention Meyerbeers in...

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